Sie müssen sich schnell entscheiden, wenn Sie dabeisein wollen“, versichert mir der dynamische junge Mann von der Reiseagentur. „Wir jenen den gesamten deutschen Hochadel rüber. Die königliche Hochzeit ist fast ausgebucht.“ Ein wappenverzierter Prospekt mit königsblauem Aufdruck soll für die Fahrt zur illustren Vermählung werben. Oben auf der Seite prangt eine reichverzierte Krone, umrahmt von verschlungenen Ringen. Barocke Schnörkel führen den Blick dezent zum Namen des Reiseveranstalters. „Königliche Hochzeit“ ist die Kreation betitelt und lädt ein zur Hochzeit des Jahres, wenn nicht des Jahrzehnts. Auch eine Frankfurter Gazette kann sich rühmen, gerade noch rechtzeitig für ihre Leser schöne Hotelplätze erworben zu haben, „denn das Interesse ist größer als das Angebot“.

Die Lovestory zwischen dem englischen Thronfolger Prinz Charles und seiner „beautiful English rose“ Lady Diana Spencer – Kosename Lady Di – soll am 29. Juli ein eheliches Happy-End finden. Das Fernsehen wird die Hochzeit des Jahrzehnts allüberall in die Wohnzimmer tragen, jedoch wirkliche Fans des britischen Königshauses wollen live dabeisein, wenn – so die Ankündigung der Frankfurter Leserreise – „London buchstäblich kopfsteht vor Jubel und Begeisterung“.

Dem deutschen Hochzeitszaungast bieten sich zahlreiche Möglichkeiten: Von der dreitägigen „Hochzeitsreise“ bis zu vierzehntägigen „Flitterwochen“ haben findige Reiseveranstalter Sonderprogramme in jeder Preis- und Komfortklasse anzubieten. Auch die Engländer haben das Traditionsdefizit der monarchielosen Deutschen erkannt und offerieren „Royal Wedding Group Tours“ für 20 bis 40 Personen. Während der achttägigen Royal-Wedding-Tour zum Beispiel wird der Gast an den ersten vier Tagen mit zahlreichen Schloßbesichtigungen und königlichfamiliären Details sachte auf den großen Tag eingestimmt. Vom Buckingham-Palace bis zu „Lady Di’s Young England Kindergarten“ reicht die Besichtigungspalette; so steigert sich die Vorfreude bis zum fünften Tag der Reise, „dem Tag, auf den wir alle seit langem gewartet haben“,

Die englische Reisegesellschaft bedauert, ihren Gästen keinen Zugang in die St.-Pauls-Kathedrale verschaffen zu können, garantiert jedoch, daß campingfreudige Königstreue, die die Nacht am Wege zwischen Palast und Kathedrale zubringen, gewiß einen Blick auf das großartigste Brautkleid des Jahres erheischen können. „Sollten Sie es vorziehen, der Zeremonie im warmen Hotelzimmer beizuwohnen, hat die Gesellschaft für Farbfernseher gesorgt und steht bei Bedarf mit zusätzlichen Informationen, auch während der Trauung, gern zur Verfügung.

„Den siebten Tag“, vermutet die Reisegesellschaft, „werden Sie sicher für den Einkauf der vielen Royal-Wedding-Souvenirs nutzen wollen oder sich ganz einfach den Erinnerungen an die unvergleichlichen Eindrücke des großen Ereignisses hingeben.“ – Die achttägige „Hochzeitsreise“ kostet zwischen 174 und 225 Pfund pro Person je nach Unterkunft.

Wer ein dreitägiges „Hochzeitsquicky“ vorzieht, sollte dem Rat des deutschen Reiseveranstalters folgen, sich bald zu entscheiden, sonst schnappt ihm der deutsche Hochadel die Plätze weg. In London wird im Rahmenprogramm zur königlichen Hochzeit „The Royal Tournament“ geboten, „eine Mischung von traditionellen militärischen Zeremonien und Vorführungen aller Waffengattungen“. Bei rechtzeitiger Buchung kann man das Schauspiel von reservierten Tribünenplätzen aus bestaunen. Auch bei der deutschen „Hochzeitsreise“ ist selbstverständlich ein Farbfernseher pro Doppelzimmer inklusive garantiert. Die Preise variieren je nach Hotel zwischen 748 und 882 Mark pro Person, aber wer denkt schon an den schnöden Mammon in dem feierlichen Moment, wenn – so die Anzeige des Frankfurter Blattes – „die Hochzeitsglocken läuten und der liebliche Sproß des englischen Hochadels dem Königssohn lächelnd ihr Ja-Wort gibt“. Bettina Musall

Auskunft: Britische Zentrale für Fremdenverkehr, Neue Mainzer Str. 22, 6000; Frankfurt; Reisebüros.