Nun mal schön die christlichen und Volksbühnen-Öhrchen gespitzt: Jawohl! Gutes Theater ist teuer! Und noch preiswert dazu! (Billiges Theater ist billig.) ... Hätten Sie’s gewußt, Herr Börner, daß mehr Leute ins Theater gehen als Hessen und NRW zusammen (!) Bevölkerung haben? Kopf hoch, liebe Kollegen, wir brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben, es kommt noch besser: Hatten Sie’s gewußt, lieber Herr Wallmann, daß dreimal soviel Menschen in die Theater gehen als in Gottesdienste und andere Veranstaltungen der kathol. Kirche? Oder hättet Ihr’s gewußt, liebe Genossen, daß dreimal soviel Leute ins Theater gehen, als der DGB Mitglieder hat? Ja!... Und nun mal zum Verschleudern meiner Steuergelder ein paar Zahlen: Der Anteil der Zuweisungen der Theater an den Gesamtausgaben der sogenannten öffentlichen Hand beträgt sage und schreibe – na? bitte: 0,23 Prozent. Oder: die Zuweisungen der Theater machen 15,19 Prozent der Kircheneinnahmen beider großen deutschen Kirchen aus. Zuviel? Zu teuer? Es ist ziemlich preiswert, das teure Theater; wenn man’s schließt, wird’s allerdings so richtig teuer: Diese Arbeitslosenzahlen, diese Sozialpläne, dieser Kaufkraftverlust.

Jürgen Flimm, Intendant in Köln, in „Theater heute“, Mai 1981

Dresen nach Frankfurt

Das Ende (?) einer schier endlosen Theaterkrise: Der Regisseur Adolf Dresen soll vom Beginn der Spielzeit 1981/82 an das Frankfurter Schauspielhaus leiten. Die kurze, katastrophenreiche und nicht eben ruhmvolle Ära der beiden zerstrittenen Schauspieldirektoren Minks und Schaaf ist vorbei. Vorbei ist es auch, vorläufig zumindest, mit der Mitbestimmung am Frankfurter Schauspiel. Der neue Mann solle, so Frankfurts Kulturdezernent Hilmar Hoffmann, das Haus „ohne Belastungen in die Zukunft“ führen. Schaaf wird Hoffmanns Entscheidungen akzeptieren, Minks ihr widersprechen, der künstlerische Beirat des Theaters hat vorsichtig sein „Wohlwollen“ signalisiert.

Rolf Schroers

Dies, ist man in Deutschland nicht ungestraft: „Schriftsteller und Politiker“. So wird in „offiziellen“ biographischen Archiven der am 10. Oktober 1919 in Neuss geborene Rolf Schroers gekennzeichnet, der am 8. Mai in Altenberge (Münster) gestorben ist. Auch in der Redaktion der ZEIT wird dann palavert: der gehört zu Euch in die Politik; nein: der hat Romane geschrieben, der muß ins Feuilleton. Rolf Schroers hat Romane geschrieben, auch Hörspiele, Essays, Kritiken und Dokumentarfilme – und war doch immer auf der politischen Bühne zu Haus. Zweimal kandidierte er für den Bundestag. Für seine Partei, die FDP, redigierte er die Zeitschrift liberal und arbeitete im Programmausschuß, die den neuen Kurs der Gesellschafts- und Ostpolitik bestimmte. Aber auch im Hauptberuf als Direktor der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach gab er das Schreiben nicht auf. Für sein erstes Buch, eine biographische Studie über T. E. Lawrence (1949), erhielt er einen Betrag von Thomas Manns Goethe-Preis. Viele Preise folgten; auch Leser? Was wären, die Parteien ohne solch denkende, schreibende Mitarbeiter.

Dieter Hülsmanns