Namens-Debatte

Im Bundestag übte Hans-Jürgen Wischnewski unlängst herbe Kritik an der Union, weil die CSU ein Parteiausschlußverfahren gegen den Friedensforscher Alfred Mechtersheimer angestrengt hat. Den Namen des Betroffenen erinnerte er indes nur ungefähr. Wenn jemand es wage, in den Reihen der Union eine andere Meinung zu vertreten, „wie Herr Merschmeier“, dann schmeißen sie ihn aus der Partei, so Wischnewski. Helmut Kohls Gegenfrage: „Würden Sie mir sagen, wo ‚Herr Merschmeier‘ wegen was aus der Partei ausgeschlossen werden soll?“ Wischnewski ließ sich nicht beirren. Ehmke wollte Wischnewski zu Hilfe eilen: „Du hast dich versprochen! Der Mann heißt Mechtersheimer!“ Aber das überhörte Ben Wisch. Kohl: „Ich habe gesagt, es gibt diesen Vorgang nicht.“ Wischnewski: „Den gibt es!“ – Vorgang hin, Vorgang her: Selbst wenn Mechtersheimer das Parteibuch abgeben muß, seinen altgewohnten Namen wird er behalten wollen.

Amtsanmaßung

General Alain de Boissieu scheint von seinem Schwiegervater General de Gaulle nur die schlechten Eigenschaften abgeguckt zu haben, ohne sich um dessen ausgleichende Tugenden zu kümmern. Als Vorsitzender der französischen Ehrenlegion ist er verpflichtet, den neuen Präsidenten mit den Insignien eines Oberbefehlshabers der Legion auszuzeichnen. Der General hat jedoch verkündet, er werde eher zurücktreten, als dem Sozialistenführer Francois Mitterrand diese Ehrung zu erweisen. Das war im Wahlkampf. Bleibt zu hoffen, daß nun, nachdem die Entscheidung gefallen ist, der rücktrittsbesessene Ehrenlegionär sich an das Demokratieverständnis seines Schwiegervaters erinnert.

Preis-Gerangel

Der Pulitzer-Preis steht unter einem ungünstigen Stern. Teresa Carpenter von „The Village Voice“, „lucky-looser“, nachdem Janet Cooke zugegeben hatte, daß ihre preisgekrönte Geschichte getürkt war, ist nun ebenfalls ins Kreuzfeuer der Juroren geraten. In ihrem Artikel untersucht sie den Mord an dem ehemaligen Abgeordneten Allard Lowenstein. Miß Carpenter vermutete eine homosexuelle Beziehung zwischen

Lowenstein und seinem Mörder Dennis Sweeney und erweckt in ihrem Artikel den Eindruck, als hätte sie Sweeney dazu im Gefängnis interviewt. Tatsächlich wollte der Häftling nichts mit der Journalistin zu tun haben. Teresa Carpenter: „Nur begriffsstutzige Leser können auf die Idee kommen, ich wollte ein persönliches Gespräch mit Sweeney vortäuschen.“