Ein Jahrzehnt lang wurde über die trüben Aussichten der Druckindustrie und des bedruckten Papier meditiert. Den neuen Medien gehörte angeblich die Zukunft. Bildschirmtext sollte den Zeitungen, Datenbanken ganzen Buchgruppen – wie Lexika oder Lehrbüchern – den Markt streitig machen.

Doch die Euphorie vor allem der frühen siebziger Jahre über die grenzenlosen Möglichkeiten der elektronischen Medien hat sich längst gelegt, das Vertrauen auf die chancenreiche Zukunft der Druckmedien dagegen ist gerade in jüngerer Zeit erheblich gestärkt worden. Der Umsatz der Druckindustrie wuchs 1980 um über neun Prozent. Die Zahl der Beschäftigten in den großen und mittleren Betrieben stieg um fast zwei Prozent. Überdies haben gerade die großen Presse-Häuser – meist in aller Stille – ihr Engagement auf dem Gebiet der Print-Medien erweitert.

Zum Beispiel die Frankfurter Allgemeine GmbH. Der Verlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Auflage: 312 242 Exemplare) hatte sich jahrzehntelang nur diesem einen publizistischen Objekt gewidmet. Auf der Suche nach einem zweiten Standbein hat er sich jedoch in den vergangenen zwei Jahren – von der Öffentlichkeit fast unbemerkt – zusätzlich einen kleinen Buch-Konzern geschaffen.

Die Entwicklung begann mit einer 50-Prozent-Beteiligung an der Keyserschen Verlagsbuchhandlung im München, einem renommierten Kleinverlag, der vor allem Literatur über Kunstgewerbe und ältere Kunst herausbringt. Es folgten der Kauf einer Zwei-Drittel-Mehrheit am 150 Jahre alten Kinder- und Jugendbuchverlag F. J. Schreiber in Esslingen, die Übernahme von 30 Prozent des Hannoveraner Verlags Kunst & Antiquitäten, in dem die gleichnamige Zeitschrift mit einer Auflage von gut 8000 Stück erscheint, und ein weiteres 50-Prozent-Engagement am Hamburger Xenos-Verlag, der Bücher für Supermärkte und Warenhäuser produziert.

Am 1. Januar dieses Jahres kamen noch zwei Kleinverlage mit einem geschätzten Umsatz von jeweils einer Million hinzu: der wegen seiner. Standardwerke über Antiquitäten bekannte Verlag Klinckhardt & Biermann und der dazugehörige Technik-Verlag Richard Carl Schmidt.

Das größte und wichtigste Schiff in neuen FAZ-Konvoi ist die Deutsche Verlags-Anstalt (DVA) in Stuttgart mit ihren Tochterverlagen, die seit Oktober 1980 zur Frankfurter Gruppe gehören. Zur DVA, die früher Anteile an der Stuttgarter Zeitung und anderen Blättern Baden-Württembergs sowie eine eigene Druckerei besaß und derzeit noch einen Umsatz von 40 Millionen Mark macht, zählen heute der Buch- und Zeitschriften-Verlag DVA, in dem unter anderem Bücher von Konrad Adenauer, Erich Fromm, Ina Seidel, und Peter Scholl-Latour sowie sieben Zeitschriften (darunter Bild der Wissenschaft, Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte und Das deutsche Malerblatt) erscheinen, ferner der Velber-Verlag mit den beiden Zeitschriften Spielen und Lernen und Treff, die Versandbuchhandlung Krebs in Stuttgart und zu 75 Prozent der Deutsche Schreiner Verlag mit dem gleichnamigen Fachblatt. Drei weitere Buch-Verlage – Engelhorn, DEVA-Fachzeitschriften- und Fachbuch-Verlag, Akademischer Verlag – stehen derzeit nur im Handelsregister, sollen aber unter der Ägide des seit 1980 amtierenden DVA-Leiters Ulrich Frank-Planitz möglicherweise wiederbelebt werden.

Die neue Besitzregelung bei der traditionsreichen DVA, die 1848 gegründet und 1920 von dem schwäbischen Großindustriellen Robert Bosch übernommen wurde, sieht eine Zwei-Drittel-Beteiligung des FAZ-Verlags an dem auf fünf Millionen Mark erhöhten Gesellschaftskapital vor. Der Rest wird von einer neu gegründeten DVA-Stiftung gehalten, die aus Mitteln der Bosch-Erben entstand.