Hans Westphal, Vorsitzender der Geschäftsführung der SKF Kugellagerfabriken in Schweinfurt, nimmt es mit Humor: „Wir arbeiten mit guten und bösen Geistern zusammen“, witzelt er. Und spielt dabei auf ein kontroverses Thema an: die „Geisterschicht“.

Die Belegschaft bei SKF, der deutschen Tochter des schwedischen Wälzlagerkonzerns, bekommt demnächst neue Kollegen. Um die Maschinen besser auslasten und im Wettbewerb vor allem gegen die Japaner aufholen zu können, will SKF, wie auch andere Unternehmen speziell des Maschinen- und Flugzeugbaus, in den nächsten Jahren eine dritte Schicht einführen. Doch die neuen Mitarbeiter sind nicht aus Fleisch und Blut, in der Geisterschicht arbeiten fast keine Menschen mehr.

Bei den Beschäftigten weckt das Schlagwort begreiflicherweise Emotionen. Denn Ziel der Geisterschicht ist, wie Vorstandsmitglied Hannes W. Politsch von der Münchner Werkzeugmaschinenfirma Friedrich Deckel AG einräumt, gewiß nicht, „vorrangig neue Arbeitsplätze zu schaffen, sondern die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und damit die Sicherung unserer industriellen und volkswirtschaftlichen Existenz auch in schwierigen Zeiten.“

Ohne Zweifel aber geht es bei den Geisterschichten auch um eine weitere Humanisierung des Arbeitsplatzes, um „Nachtarbeit für Maschinen und nicht für Menschen“, wie Westphal formuliert. „Seit Mitte der siebziger Jahre wissen wir, daß es in Mitteleuropa nicht länger möglich sein wird, Nachtschichten mit Personal zu fahren. Darüber sind wir uns mit dem Betriebsrat völlig einig.“ Der deutsche SKF-Chef ist sich aber auch darüber im klaren, „daß wir höllisch aufpassen müssen, daß die Leute das nicht in den falschen Hals bekommen“.

Das Thema Geisterschicht ist vor allem für solche Branchen akut, bei denen viele Einzelteile in großen Stückzahlen möglichst schon auf Transferstraßen produziert werden. Wenn die Wälzlagerindustrie dabei den Vorreiter macht, so deshalb, weil sie, wie Westphal hervorhebt, schon seit zehn Jahren einem harten internationalen Wettbewerb ausgesetzt ist, der dazu zwingt alle Rationalisierungsreserven auszuschöpfen.

Bei SKF laufen die Vorbereitungen für die dritte Schicht auf vollen Touren. Seit April gibt es bei der Konzernzentrale in Göteborg auch schon eine Pilotinstallation. Aber es wird nach Meinung Westphals noch Monate dauern, bis überhaupt hieb- und stichfeste Unterlagen über die Erfahrungen verfügbar sind. Man geht davon aus, daß bei der deutschen Tochter in die neuen Forschungstechniken bis Mitte des Jahrzehnts allein über dreihundert Millionen Mark investiert werden.

Will man die Maschinennutzungszeiten verlängern – was zwar höheren Verschleiß, aber auch einen kürzeren Innovationsrhythmus mit sich bringt – so muß man nicht nur die Maschinensysteme ändern, sondern auch die Menschen darauf einstimmen. Es wäie Illusion, zu glauben, die „Geisterschicht“ würde am Personal spurlos vorübergehen. Denn in der ersten und zweiten Schicht muß man sich auf die „unbemannte Fertigung“ in der dritten Schicht vorbereiten.