Was ist ein Goigoi? Ein weiches, rotes, allerliebstes Liebhabetuch zum Streicheln und Schmeicheln. Und es gehört Lea. Es ist das einzige, was sie hat. Ihre Eltern sind gestorben, vier Tanten und eine Oma schieben sie ab ins Heim. Auf dem Weg dorthin wird Goigoi von einem Bankräuber gestohlen. Lea weint und weint, obwohl Weinen im strengen Heim streng verboten ist. Und weil sie bei sich „drinnen“ weiterveint, wird diese Krankheit sogar vom berühmtesten Kinderdoktor nicht erkannt. Ein „kluger“ Arzt und geschäftstüchtige Sargmacher halten sie bereits für tot. Doch dann kommt Goigoi nach einer langen, ausgefallenen und aufregenden leise durch den Wind zurück. „Du sollst mich knuddeln...!“ sagt Goigoi. Welches Kind hat nicht ein solches Schmusetuch, einen Hasen oder ein Bärchen?

William Goldman: „Goigoi“, die Geschichte von Lea und ihrem liebsten Liebhabtuch; ill. von Volker Kriegel, übers, von Rolf Inhauser; Verlag Sauerländer, Aarau u. Frankfurt am Main; 59 S., 16,80 DM.

Das Thema ist nicht neu: Charles Schulz läßt Linus in seinen Comics Trost und Halt am Nuckeltuch finden. Genauso ist es bei Lea. Hier wird in subtiler Sprache erzählt, wie wichtig es ist, Kinder ganz für sich allein schmusen, streicheln, sprechen zu lassen. Doch so, wie Boshaf-:igkeit, Egoismus, Überheblichkeit und Verbissenheit der Erwachsenen in diesem Buch vorkommen, könnte das bei Kindern Angst auslösen. Die grotesken Karikaturen von Volker Kriegel, eine ausgefallene zweifarbige Typographie und die Gestaltung des Buches sind originell und ein Genuß. Trotzdem bleiben Fragezeichen, Hilflosigkeit und wenig Hoffnung. „Ach Goigoi!“ freut sich Lea, „du bist so lustig. Was würde ich nur ohne dich machen?!“ Kann ein Schmusetuch Lösung für Einsamkeit und Liebesbedürfnis sein?

M.S.