(„Todesmagazin“) – jeder Film ein Ärgernis, fast jeder, ein Skandal. Im Januar bringt Holger Mischwitzky, der sich Rosa von Praunheim nennt, sein neues Kinostück in die deutschen Lichtspielhäuser: „Unsere Leichen leben noch“.

Ein Gespräch mit dem Filmemacher Rosa von Praunheim

Von André Müller

Sie werden im nächsten Jahr vierzig. Seit fünfzehn Jahren machen Sie Filme: Aber Sie sind als einziger Ihrer Altersklasse immer noch dort, wo Sie am Anfang schon waren, nämlich im Underground Ist das Absicht, oder sind Sie unfreiwillig ein Außenseiter?

ROSA VON PRAUNHEIM: Die Frage stellt sich so gar nicht, denn im Underground bin ich eigentlich nie gewesen. Ich hab’ Ja gleich am Anfang Erfolg gehabt. Schon meinen ersten Kurzfilm hab’ ich an das Fernsehen verkauft, das war 1967, und der zweite, „Rosa Arbeiter auf goldener Straße“, bekam eine Kulturfilmprämie und das Prädikat „Besonders wertvoll“. Da hattte ich also gleich einen Batzen Geld zur Verfügung. Ich war bereits etabliert; kaum daß es anfing.

Gut, aber das war ein Erfolg, den Sie einer Minderheit aus Fernsehredakteuren und Filmkritikern zu verdanken hatten. Beim breiten Publikum sind Sie bis heute nicht angekommen.

Das stimmt, aber daran bin ich auch selbst schuld. Ich hatte meinen Höhepunkt mit den Filmen „Die Bettwurst“ und „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“, das war vor zehn Jahren, und seither, ging’s bergab, um es mit der Knef zu sagen, das heißt ich hab’ dann Filme gemacht, die wahrscheinlich: auch objektiv nichterfüllt haben, was ich mit den ersten yersproschen hatte und die zurückblickend auch für mich nicht so toll sind, aber halt sehr wichtig für meine Entwicklung. Entwicklung wohin?