Goldene Worte

Es stand in der Prawda: „Wenn wir dereinst im Weltmaßstab gesiegt haben, dann werden wir, glaube ich, in den Straßen einiger großer Weltstädte öffentliche Bedürfnisanstalten aus Gold bauen.“ Lenin versprach 1921, auf das Metall zu pfeifen, das die Kapitalisten in Krisen und Kriege trieb. Sechzig Jahre später muß Moskau die allernotwendigsten Bedürfnisse seiner Bürger und die Schulden seiner Satelliten mit Gold aufwiegen.

Seit Monaten verkauft der Kreml das gelbe Metall, als wolle er die Finanzmärkte in London und Zürich vergolden. Vorbei sind freilich die Zeiten, da sich die Sowjetunion auf die Auswirkungen der selbst geschaffenen Krisen verlassen konnte. Nach dem Einmarsch in Afghanistan vor zwei Jahren stieg der Goldpreis noch. Inzwischen wird die Feinunze, trotz Polen, immer billiger – und im Kreml guter Rat teurer. Denn die Sowjetunion braucht Devisen, um amerikanisches Getreide zu importieren. Moskaus jüngste Wirtschaftsstatistik verschweigt das Ernteergebnis von 1981 – so schlecht war es.

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Der Kreml entfernt sich nicht nur von Lenins Zukunftsvisionen, sondern auch von dessen Realitätssinn. Denn seinerzeit stand außerdem in der Prawda: „Einstweilen aber muß man mit dem Gold sparsam umgehen, muß es möglichst teuer verkaufen.“ Lenins goldene Worte und goldene Berge – zusammengeschmolzen unter den „Eisenfressern“, den Militärs. C. S.-H.

 
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