Von Gerlinde Schikora

Die Effe von Hahnheim galt als eine der fünf ältesten Ulmen in Deutschland. Botaniker schätzen ihr Alter auf 700 bis 900 Jahre. Sie überdauerte Unwetter und Kriege, behauptete sich gegen die Bauwut der Straßenplaner und den Landhunger der ausufernden Siedlungen – bis sie 1978 von der holländischen Ulmenkrankheit befallen wurde.

Innerhalb kurzer Zeit verdorrte die mächtige Krone, alle Rettungsversuche blieben erfolglos.. Heute zeigt nur noch ein Baumstumpf die Stelle an, an der einst das Wahrzeichen der rheinhessischen Gemeinde gestanden hat.

Der Baumtod grassiert überall im Land: Der Effenring im rheinhessischen Wörrstadt, wo die Ulmen die Gemeindegrenze markierten, mußte ausgehauen werden, genauso wie viele Veteranen, die dörfliche Versammlungsplätze beschatteten – Opfer einer tückischen Epidemie, die seit über 60 Jahren in Europa und Amerika wütet.

Der vielleicht zerstörerischsten Baumkrankheit dieses Jahrhunderts fielen bis heute Millionen Bäume in Parks, Alleen und Wäldern zum Opfer. Der Schaden geht in die Milliarden.

Die Krankheit wurde erstmals 1919 im holländischen Wageningen registriert: Ulmen, die noch im Frühsommer in vollem Laub gestanden hatten, warfen plötzlich ihre Blätter ab und gingen – oft innerhalb weniger Wochen – ein. Die Ursache des Ulmensterbens war bald gefunden: Ein Pilz (Ophiostoma ulmi) wuchert im wasserführenden Gefäßsystem der kranken Bäume. Er bewirkt, daß Leitungsbahnen verstopfen, der Wasserstrom zur Krone unterbrochen wird und der Baum verdorrt.

Innerhalb weniger Jahre hatte sich der Erreger über ganz Europa ausgebreitet. 1923 tauchte die Krankheit in England auf, 1930 in Amerika, 1939 wurde sie erstmals in Taschkent, weit jenseits des Urals, gesichtet.