Kasse macht bekanntlich mächtig. In Frankreich gilt diese Erkenntnis genau wie anderswo. Das heißt: eigentlich mehr als anderswo. Denn auf der Kasse sitzt in Paris ein Superminister, zuständig für Wirtschaft und Finanzen. Natürlich sitzt er nicht irgendwo, sondern an angemessenem Platz in einem königlich-kaiserlichen Schloß, dem Palais du Louvre.

Frankreichs Steuereintreiber und Staatsfinanziers sind sich den repräsentativen Sitz wohl schuldig. Schließlich führen sie den Ursprung der zentralen Finanzverwaltung bis auf Franz I. zurück, also bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts. Er unterstellte die örtlichen Steueragenten der Autorität eines Superintendenten und legte damit den Grundstein zu dem System, das die Franzosen heute noch nicht mögen.

Aus dieser Sicht scheint es gar nicht abwegig, den Finanzminister als einen Statthalter des Zentralismus in einem Flügel des Louvre unterzubringen. Da residierte er seit 1871, nachdem die Kommune das alte Ministerium in der Rue de Rivoli angezündet hatte.

Ein Hauch vom herrschaftlichem Glanz ist heute noch zu spüren. Wer sich dem Ministerbüro und den Vorzimmern seiner Berater nähert, wandelt auf rotem Teppich zwischen schweren Samtvorhängen, öffnet sich die Tür zum Allerheiligsten, fällt der Blick auf kostbare Stilmöbel und erlesenen Wandschmuck.

Doch Symbolik hin, Geprange her: Eigentlich ist der Louvre nicht der wahre Ort für ein Riesenministerium. Seit Jahren laufen Kunstfreunde Sturm gegen die widernatürliche Nachbarschaft von Mona Lisa im Südflügel und Finanzminister im Nordflügel. Nicht nur, weil Kunst und Geld nach ihrer Meinung nichts unter dem gleichen Dach zu suchen haben, sondern auch weil das Louvre-Museum wegen Platzmangel einen Teil seiner Schätze gar nicht zeigen kann.

Zudem sind auch längst nicht alle der insgesamt zehntausend Mitarbeiter des Pariser Ministeriums im Louvre unterzubringen. Sie sind auf nicht weniger als 33 Gebäude rechts und links der Seine verteilt. Da gerade der Chefökonom der Regierung auch auf Rentabilität achten sollte, konnte für ihn der Louvre nicht mehr als ein dauerhaftes Provisorium sein.

Nun scheint die Stunde des Abschieds zu schlagen. Staatspräsident François Mitterrand hat entschieden, daß die Bürokraten den Louvre zu räumen haben. Anders als bei so manchem Jahrhundertprojekt, das immer noch auf seine Verwirklichung wartet, will der Präsident diesmal Nägel mit Köpfen machen. Er ernannte den ehemaligen Chefkontrolleur der Preise zum Generalmanager für den Mammutumzug.