Führende Politiker der westlichen Welt und Chinas haben anläßlich des „Afghanistan-Tages“ am vergangenen Sonntag erneut verlangt, daß die sowjetischen Truppen abgezogen werden.

Die Sowjetunion wies die Forderung, wie erwartet, als „Verleumdung“ zurück. Die Armeezeitung Krasnaja Swesda erneuerte die Version, ein „begrenztes Truppenkontingent sei von Afghanistan eingeladen“ worden, der Regierung in Kabul gegen die von Amerika unterstützten konterrevolutionären Kräfte zu helfen.

Radio Kabul verbreitete im Gegenzug die Nachricht, am 21. März, dem afghanischen Neujahrstag, hatten über 200 000 Menschen in der Hauptstadt gegen die Vereinigten Staaten demonstriert. Gleichzeitig erneuerte der Sender den von Moskau unterstützten Vorschlag, die Region durch Verhandlungen mit den Nachbarstaaten Iran und Pakistan zu befrieden. In Delhi demonstrierten einige hundert Flüchtlinge vor der Sowjetbotschaft und verbrannten die sowjetische Fahne,

Im indischen Peshawar haben sich kürzlich sieben Widerstandsorganisationen unter dem Namen „Islamische Einheit der afghanischen Mudjaheddin“ zusammengeschlossen. Ob dieses Bündnis Bestand haben kann, erscheint wegen der unterschiedlichen Interessen fraglich.

In den vergangenen Wochen gab es mehrere Hinweise, daß sich die militärische Lage der Widerständler allmählich verschlechtert. Die sowjetischen Offensiven vom Januar und März haben den Mudjaheddin hohe Verluste zugefügt. Die konsequent angewandte Taktik, Dörfer in den Widerstandsgebieten dem Erdboden gleichzumachen, macht ihre Versorgungssituation allmählich prekär. Ob das Nachschubsystem überhaupt noch besteht, kann sich erst im Frühling zeigen, wenn die Freiheitskämpfer, wie angekündigt, wieder die Offensive ergreifen.

Nachrichtendienste in Pakistan, aber auch westliche Dienste behaupten allerdings, der afghanische Widerstand werde allmählich schwächer. Die Sowjetunion nutze den iranisch-irakischen Krieg für sich: Russische Techniker reparieren die im Iran erbeuteten Panzer sowjetischer Herkunft und verlangen dafür – offenbar mit Erfolg –, daß Teheran die Unterstützung für die afghanischen Rebellen einschränkt. v. St.