Von Hans Rühle

So wie der Erfolg im Regelfall viele Väter hat, ist die Niederlage meist ein Waisenkind: Die Sieger suchen den Trend festzuschreiben, während die Verlierer danach trachten, den Ausnahmecharakter der derzeitigen Situation hervorzuheben.

Einen ersten Hinweis auf die Gründe für das Wahlergebnis liefert die Analyse des Wahlverhaltens nach soziodemographischen und politischen Merkmalen der Wahlkreise. Danach hat die CDU, die ja landesweit ein Plus gegenüber 1978 von zwei Prozent erreichte, ihre größten Zuwächse in Gebieten mit einem hohen Anteil von im Dienstleistungsbereich Beschäftigten (+ 4,2 Prozent) und in Gebieten mit hohem Arbeiteranteil (+ 2,9 Prozent) erzielt. Überdurchschnittliche Gewinne verzeichnete die CDU außerdem in Ballungsgebieten sowie in Gegenden, wo sie bisher deutlich unterrepräsentiert war oder in der Legislaturperiode 1974 bis 1978 starke Einbußen erlitten hatte. Die einzigen Verluste mußte die CDU in ihren durch einen hohen Anteil katholischer Bevölkerung geprägten Hochburgen hinnehmen (– 2,5 Prozent). Der bereits in früheren Wahlen sich abzeichnende Trend zum Abbau der Parteihochburgen setzte sich also auch 1982 fort.

Korrespondierend hierzu verlor die SPD (Landesdurchschnitt der Verluste –5,7 Prozentpunkte) am stärksten in Gebieten mit hohem Arbeiteranteil (– 6,1 Prozent), in Ballungsgebieten (– 6,6 Prozent), in Gegenden mit hohem Dienstleistungsanteil (–7,3 Prozent) sowie dort, wo die Grünen ihre stärksten Gewinne erzielten (– 7,5 Prozent). Sie hielt sich noch am besten in den CDU-Hochburgen (– 1,9 Prozent).

Der eigentliche Gewinner aus dem Abbau der CDU-Hochburgen war die FDP. Sie gewann dort (Landesdurchschnitt der Gewinne +1,7 Prozentpunkte) mit 2,5 Prozent überdurchschnittlich. Sie verbesserte sich ebenfalls deutlich in ländlichen Gebieten (+ 2,3 Prozent).

Die Grünen (Landesdurchschnitt der Gewinne 2,6 Prozentpunkte) verbuchten ihre höchsten Gewinne in Oldenburg – Standort einer sehr „progressiven“ Hochschule – (+ 7,2 Prozent), in Gebieten mit hohem Anteil im Dienstleistungsbereich Beschäftigter (+ 4,7 Prozent), in Gebieten mit sehr starken Angestellten- und Beamtenanteilen (+ 3,6 Prozent) sowie generell dort, wo die Statistik einen überdurchschnittlichen Anteil an Personen mit hoher Schulbildung ausweist (+ 3,7 Prozent).

Was dieser kurze Überblick über die „Aggregatdaten“ an Aussagen enthält und an Schlüssen signalisiert, wird durch die Daten der Meinungsforschung bestätigt. Dies gilt vor allem für die Tatsache, daß die Wahl in Niedersachsen geprägt war durch die wirtschaftliche Entwicklung in der Bundesrepublik und die jeweiligen Lösungsvorschläge der Parteien.