Von Gunter Hof mann

Mexiko-Stadt, im März

Was geht uns das ferne Drama in El Salvador, Nicaragua oder Guatemala an? Nichts – oder jedenfalls nur sehr bedingt, lautet die amerikanische Antwort. Die Glaubwürdigkeit der USA stünde auf dem Spiel, so sieht es Alexander Haig, und es gelte, ein „zweites Kuba“ zu verhindern. Die Europäer sollten sich aus Mittelamerika heraushalten, urteilt auch Jean Kirkpatrick, Washingtons Botschafterin bei den Vereinten Nationen. Zentralamerika sei „unser Hinterland, und unsere Sicherheit ist bedroht“.

Ähnlich urteilt Alexander Haig: Zuerst hat er nach drängenden Gesprächen mit seinem mexikanischen Kollegen Jorge Castaneda den Eindruck erweckt, an einer Vermittlungsaktion interessiert zu sein oder gar dem mexikanischen Vorschlag zuzustimmen, einen Nichtangriffspakt mit dem revolutionären Regime der Sandinisten in Nicaragua abzuschließen. Dann winkte er wieder ab. Für Amerika könne Mexiko jedenfalls nicht sprechen. Wenn sich die Europäer in Mittelamerika schon einmischten, dann bitte nach den Vorstellungen der Vereinigten Staaten. Die Wahlen am 28. März in El Salvador, bei denen viel auf dem Spiel stehe, sollten als demokratische Legitimation der Regierung akzeptiert werden.

Bonn, schwankend wie stets, war schon einmal nahe daran, auf diesen Wunsch einzugehen. Zeitweise ist ein Botschafter wieder auf seinen Posten geschickt worden, sogar an die Entsendung eines Wahlbeobachters wurde gedacht.

Seit Beginn des Amtsantritts von Ronald Reagan waren die Vereinigten Staaten entschlossen, El Salvador, Nicaragua und vielleicht später auch Kuba zum Testfall für eine neue, ideologisch und militärisch definierte Politik der Eindämmung und der Stärke zu machen. In diese Hemisphäre Nordamerikas, so die Erwartung, würden die europäischen Verbündeten mit ihren moralischen Skrupeln, ihren politischen Rücksichten auf die Entspannung zwischen Ost und West nicht hineinregieren können. Aber wenn nicht Europa, dann andere Staaten?

Mexiko nimmt im Bemühen um eine politische Lösung – Verhandlungen der Konfliktparteien in El Salvador; Waffenstillstand zwischen Amerika und befreundeten konservativen und ultrarechten Staaten und Nicaragua; schließlich Gespräche zwischen Washington und Kuba – eine Schlüsselposition ein. Aus dieser Sicht ist die Krisenregion nicht der Hinterhof Nordamerikas, sondern Mexikos. Aber Mexiko allein wiederum verfügt nur über begrenzten Einfluß.