Von Peter Christ

Die Ölminister der dreizehn Opec-Staaten haben in Wien beschlossen, die Ölförderung zu drossein. Mit dem knapperen Angebot wollen sie die Kartells-Preise verteidigen. Doch die Entscheidung der Ölstaaten steht auf schwachen Füßen.

Mit seinem Auftritt nach der Opec-Konferenz in Wien erinnerte Mana Saeed Otaiba an den ängstlichen kleinen Jungen, der sich im dunklen Keller mit lautem Pfeifen Mut macht. „Wir werden den Richtpreis von 34 Dollar für ein Barrel Rohöl verteidigen“, verkündete der Opec-Präsident. Und um dies zu schaffen hätten sich die Opec-Länder geeinigt, ihre Ölförderung auf 18 Millionen Barrels pro Tag zu kürzen. Wenn das nicht reichen sollte, wolle die Opec ihre Produktion auf zehn Millionen Barrel zurücknehmen oder sogar ganz einstellen.

Zehn Minuten nach Otaiba stieg Saudi-Arabiens Ölminister Scheich Ahmed Zaki Jamani auf das Podium im Wiener Hotel Intercontinental und erklärte den Journalisten, daß die Opec ohne seine Zustimmung entschieden habe, daß sich sein Land von niemandem Preise und Fördermengen vorschreiben lasse und daß Saudi-Arabien von April an die Förderung um 500 000 Barrel pro Tag drosseln werde.

Die zwölf anderen Ölminister wußten bis zu dieser Minute noch nichts vom Entschluß ihres saudischen Kollegen. Sie erfuhren von den Presseleuten, daß die Opec nach der Entscheidung Jamanis nicht 18, sondern nur noch 17,5 Millionen Barrel Rohöl am Tag fördern wird. Aber sie erfuhren auch, daß Jamani den Preis von 34 Dollar je Barrel nicht nur bis zum Jahresende, sondern bis Ende 1983 einfrieren will.

Jamanis Verwirrung stiftender Alleingang ist symptomatisch für den Zustand des sogenannten Ölkartells. Denn der mächtige saudische Ölminister verhält sich völlig satzungskonform. Die Opec hat keinerlei Recht, Mitgliedern Förderquoten zuzuteilen oder Preise zu diktieren. Auch der aus vier Ölministern gebildeten Kommission, die über die Einhaltung der Wiener Beschlüsse wachen soll, fehlt jede Kompetenz.

So hat die ganze Veranstaltung mehr deklaratorischen Charakter gehabt. Sie scheint mit starken Worten und entschlossenem Auftreten des Opec-Präsidenten darauf abzuzielen, bei der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, daß Öl bald wieder knapp wird und die Preise nicht weiter sinken.