Würde man versuchen, die Interessengegensätze, wie es sie in jedem Kabinett gibt, im sozial-liberalen Bonner Bündnis derzeit aber besonders oft, zu „personalisieren“, so könnte man dies am ehesten mit den Namen Herbert Ehrenberg und Otto Graf Lambsdorff tun. Der Disput über die von Ehrenberg angeregte Meldepflicht der Unternehmen bei offenen Stellen und Ausbildungsplätzen, der vor einer Woche zunächst im Sinne Ehrenbergs entschieden, nun aber im Sinne Lambsdorffs neutralisiert worden ist, ist dafür ein Beispiel von vielen – freilich ein treffendes.

Denn diese Meldepflicht entspräche einer Grundstimmung, der Ehrenberg gern verfällt; der Verwaltung des Mangels. Sie entspräche insofern etwa der unseligen Tradition der Wohnungswirtschaft, der es ja nicht gerade genützt hat, daß sie jahrzehntelang zu einem System der bürokratischen Mangelverwaltung verkommen ist.

Im konkreten Fall haben Lambsdorff und seine Mitarbeiter Ehrenberg mit guten Gründen vorrechnen können, daß seine Meldepflicht den Mangel an ausgewiesenen offenen Stellen eher noch verschärfen als mindern könnte. Die Franzosen etwa, bei denen es eine solche Meldepflicht gibt, können davon ein Lied singen: Nur etwa 25 Prozent der offenen Stellen werden tatsächlich gemeldet. In der Bundesrepublik, wo es die Meldepflicht noch nicht gibt, melden die Unternehmen freiwillig immerhin 35 bis 40 Prozent ihrer offenen Stellen. Auf die Gefahr, daß diese Zahl unter bürokratischen Druck eher sinken könnte, verweisen auch namhafte Arbeitsmarkt-Experten – etwa Josef Stingl der oberste deutsche Arbeitsbeamte, und Dieter Mertens, einer der bestrenommierten Arbeitsmarktforscher.

Das mutmaßliche Ergebnis einer amtlichen Verordnung, die das Gegenteil dessen bewirkt, wofür man sie eigentlich gedacht hat: der Staat wird blamiert, die zu kostenlosen Hilfsarbeiten vergatterten Personalabteilungen der Unternehmen werden frustriert, und die Arbeitslosen erst recht.

Ein ähnlicher Fall ist Ehrenbergs Appell an die Länderminister, der „unerwünschten Ausbreitung“ von Nebentätigkeiten der Arbeitnehmer entgegenzuwirken: gut gemeint und doch bedenkliche Zum einen begründet Ehrenberg diesen Appell mit der Gesundheit der Arbeitnehmer – als ob es ihn etwas anginge, wie einer seinen Tag verbringt und wie einer versucht, seinen Lebensstandard zu halten oder zu verbessern.

Stichhaltiger ist da schon die andere Begründung: Nebentätigkeit kille Jobs. Diese durchaus eher unerwünschte Wirkung aber wird Ehrenberg auch künftig ertragen müssen. Einer von denen, die ihm das recht unverblümt gesagt haben, ist Friedhelm Farthmann (SPD), der, typisch für ihn, festgestellt hat, er könne ja nicht hinter jedem einzelnen Nebenherverdiener die Gewerbeaufsicht herschicken.