Für schlechte Qualität müssen die Hausfrauen einen immer höheren Preis bezahlen.

Deutsche Hausfrauen haben es nicht leicht, einen guten Braten auf den Tisch zu bringen. Nicht nur die Fleischqualität ist hierzulande wesentlich schlechter als in England oder Frankreich, auch die Preise liegen ziemlich hoch und werden in diesem Jahr wahrscheinlich noch kräftig steigen.

In den Fleischerläden dürfte sich bald auswirken, worüber viele Schlachter schon seit längerer Zeit klagen: Die Großhandelspreise sind im Laufe eines Jahres für Schweinefleisch bis zu 25 Prozent gestiegen, für Kalbfleisch um 24 und für Rindfleisch um neun Prozent. Der Grund: Die Bauern, die ihre Viehpreise jahrelang nur mäßig angehoben hatten, meinen, daß sie mit der Viehhaltung nicht mehr auf ihre Kosten kommen. Ursache hierfür sind vor allem die hohen Futtermittelpreise. Sie sind in den letzten Monaten stark gestiegen, weil die Ostblockländer verstärkt Getreide eingekauft haben.

Viele Bauern hatten im letzten Jahr die Kälber- und Schweinemast eingeschränkt mit dem Erfolg, daß weniger Fleisch auf den deutschen Markt kam und die Preise stiegen. Die Verbraucher haben dies bei ihren Einkäufen in den letzten Monaten schon in abgeschwächter Form gespürt: Die Preise im Fleischerladen sind im März um acht bis neun Prozent gestiegen – und damit Wesentlich stärker als bei anderen Lebensmitteln. Nur Äpfel und Kartoffeln sind noch teurer geworden. In den nächsten Monaten jedoch, so meint der Deutsche Fleischverband, werden die Preise für Wurst und Schnitzel nochmals kräftig anziehen. „Erst zum Jahresende könnte sich der Markt eventuell entspannen“, hofft Theo Wershoven, der Geschäftsführer des Verbandes.

Am schlechtesten stehen sich die Hausfrauen zur Zeit, wenn sie einen Rinderbraten einkaufen. Um das Einkommen der heimischen Bauern zu sichern, schirmt die Europäische Gemeinschaft (EG) den Markt vor Importen der traditionellen Rinderlieferanten Argentinien, USA und Australien hermetisch ab. Die Viehhändler zahlen deshalb in Europa für Rindfleisch nahezu das Dreifache des Weltmarktpreises, und Fleischimporteure, die noch aus Südamerika einführen dürfen, legen mehr Geld für Zölle und Abgaben drauf als für das eigentliche Fleisch.

Am heimischen Markt hält die EG die Rindfleischpreise mit Interventionseinkäufen künstlich hoch. Nach Auskunft des Bundesministeriums für Landwirtschaft hat die BrüsselerEG-Kommission dafür allein im letzten Jahr rund vier Milliarden Mark hinblättern müssen.

Die Bundesregierung ist gegen diese Interventionen und würde die Preise lieber absacken lassen. Doch die Hoffnung, daß sich Bonn mit seinen Wünschen gegenüber den Franzosen durchsetzt, ist gering. So wird es wohl bei den alten Rindfleischpreisen bleiben – mit steigender Tendenz.