Das schnellste Fährschiff der Welt, die in Helsinki beheimatete „Finnjet“, ist wieder einmal in unruhiges Fahrwasser geraten. Das Hufvudstadsbladet, die einflußreiche Zeitung der schwedischsprachigen Bevölkerung in Finnland, meldete kürzlich, das für den Staatskonzern Enzo Gutzeit laufende Schiff wurde nach Arabien verkauft. Die Enzo Gutzeit-Reederei Finnlines dementierte heftig: „In letzter Zeit wurden überhaupt keine Verkaufsverhandlungen geführt und sind auch nicht beabsichtigt.“ Das 1977 eingesetzte Schiff erhielt zwei Gasturbinen, die es 56 Stundenkilometer schnell machten und die Fahrzeit zwischen Travemünde und Helsinki fast halbierten. Die „Finnjet“, die Flaggschiff einer neuen Fährengeneration werden sollte, lief geradewegs in die Ölkrise und damit in die roten Zahlen. Damit begannen die Verkaufsgerüchte, die zeitweilig einen durchaus realen Hintergrund hatten. Als sich diese Bemühungen zerschlugen, gab die Reederei viel Geld aus, um viel Geld zu sparen: Das Superschiff erhielt Ende vergangenen Jahres einen zusätzlichen Dieselantrieb, der die Fahrzeiten von 22 auf 36 Stunden verlängert.

Der Verbrauch sinkt dadurch um die Hälfte, überdies ist Diesel-Schweröl billiger. Die Kehrtwendung zurück ins Dieselzeitalter begann mit einem außerordentlichen seemännischen Manöver: Das riesige Schiff, das in Amsterdam gebaut wurde, mußte zweimal durch den Nord-Ostsee-Kanal fahren – Maßarbeit vor allem in engen Kurven und unter den Brücken. Hunderte von Reisenden nutzten die Chance zu dieser einzigartigen Tour, die Reederei hoffte, mit dieser nautischen Meisterleistung alle Verkaufsgerüchte zu stoppen und für die jetzt beginnende Saison zu werben. Der jüngste Zeitungsartikel durchkreuzte diese Hoffnung zwar ein wenig, aber in Fachkreisen gilt doch als gewiß, daß die „Finnjet“ derzeit nicht verkauft wird. Schließlich fehlt es der Reederei an einem Ersatzschiff für diese Route. Die beliebte Touristenverbindung bleibt erhalten, auch wenn der bereits veröffentlichte Fahrplan für 1983 nicht bedeuten muß, daß sich die Reederei nicht auf längere Frist nach Käufern für ihr teueres Flaggschiff umschaut. Im Sommer 1982 sind die „Finnjet“-Passagen garantiert, ab Mitte Juni sogar im Turbinentempo. K. V.