Erstaunliches ist zu berichten vom innerdeutschen Handel, auch wenn es bei den Bilanzen der Leipziger Frühjahrsmesse naturgemäß keine Rolle spielte. Es hat weder mit Maschinen noch mit Millionenumsätzen zu tun, es geht um Bilder, genauer: um den Exportüberschuß des Staatlichen Kunsthandels der DDR. Bemerkenswert finde ich dabei weniger die Umsätze als die Umstände.

Da gab es kürzlich in der Galerie Brusberg in Hannover eine überaus erfolgreiche Ausstellung des Malers Bernhard Heisig. Vier westdeutsche Museen sicherten sich Bilder des neoexpressionistischen Leipziger Wilden; das größte, ein Triptychon über die Zerstörung Breslaus, ging für 50 000 Mark an das Mainzer Landesmuseum (siehe auch das Heisig-Porträt im „magazin“).

Da gibt es gegenwärtig in Bremen eine repräsentative Willi Sitte-Ausstellung, mit der der Kunsthändler Michael Hertz sein fünfzigjähriges Berufsjubiläum feiert. Hertz, Grandseigneur und Altkommunist, war der erste, der 1978 mit einer glänzenden Tübke-Schau den Staatlichen Kunsthandel der DDR ins West-Geschäft brachte.

Der kleine Grenzverkehr der Künstler ist um so erfreulicher, als es ja keinen Kulturvertrag zwischen den beiden deutschen Staaten gibt. Nun kann man aber auch bei dieser Kunst-Erleichterung sicher sein: Wenn die Ideologen im Politbüro ein Auge zudrücken, hat das auch handfeste ökonomische Gründe.

Wenn Brusberg zum Beispiel, was wir ihm gönnen, für Heisigs „Ardennenschlacht“ noch einen Käufer findet, so geht die Hälfte des Preises von 40 000 DM an den Galeristen – die andere Hälfte aber mitnichten an den Künstler. Davon behält der Staatliche Kunsthandel zunächst nur bescheidene 15 Prozent (3000 DM); von den restlichen 17 000 DM fließen wiederum 15 Prozent (2550 DM) in eine Art Solidaritätsfonds des Verbandes Bildender Künstler der DDR, um jüngeren Kollegen Auslandsreisen zu ermöglichen (eine löbliche Einrichtung). Ebenfalls 15 Prozent erhält 6Heisig als Honorar in West-Währung (2550 DM), den Rest in DDR-Mark (11900 M). Den Devisengewinn aber, bei einem inoffiziellen Kurs von 1:4 rund 36 000 DDR-Mark, streicht der Staatliche Kunsthandel ein:

Dies nenn ich eine rechte Gaunerei und eine Heuchelei dazu: Dieselben Genossen, die den privaten Kunsthändler in der Bundesrepublik als Kapitalisten und Ausbeuter des Künstlers verteufeln, prellen ihre eigenen Künstler mit staatskapitalistischen Methoden um einen Großteil ihres Honorars. Für überzeugte Marxisten wie Sitte und Heisig gewiß, eine bittere Erfahrung.

Stellt der Staatliche Kunsthandel der DDR, der bei diesen Geschäften eine Monopolstellung hat, in seinen Galerien nun wenigstens ab und an auch Künstler der Bundesrepublik aus? Dieter Brusberg, inzwischen wichtigster Kunst-Handelspartner der DDR: „Dafür ist kein Geld da. Es muß ja in Valuta abgerechnet werden. Daran ist bisher alles gescheitert.“