Engagiert

„Wir wollen leben.“ An der Ernsthaftigkeit dieser Bekundung gibt es auf diesen zwei Schallplatten wahrlich keinen Zweifel. Der Untertitel bekräftigt es noch: „Lieder gegen den Untergang“, verfaßt und vorgetragen von etwa zwei Dutzend engagierten Mitgliedern oder Sympathisanten der Friedensbewegung, darunter Mossmann, Süverkrüp und Wader, Zupfgeigenhansel, Hein und Oss sowie Bots und Lerryn, Floh de Cologne und Hanns Dieter Hüsch – den letzten vier hört man auch am liebsten zu, weil es ihnen gelingt, Engagement und Kunst am anspruchvollsten, also am packendsten in Einklang zu bringen. Manches andere ist gut gemeint, auch anrührend mit seinem freundlichen Dilettantismus, nur eben oft mühsam gereimt und dürftig in Musik geschlagen. Wahrscheinlich entfalten diese Lieder ihre moralische Kraft am ehesten dort, wo ihre Schwächen absorbiert werden: in der Gemeinschaft von Gleichgesinnten und solchen, die ihnen nahe sind (Folk Freak, Bergstraße 28, 3401 Ebergötzen, Nr. FF 3005/6). Merkwürdig oder auch nicht: eine vorangegangene Sammlung von Volksliedern, volksliedhaften und volkstümlichen Liedern, vorgetragen von vielen Volkssängern vieler Länder unter dem Titel „Folkfriends“ (Folk Freak FF 3003/4), ist von auffallend größerer Qualität: mehr Poesie, mehr Ursprünglichkeit.

Manfred Sack

Hörenswert

The Shortlist: „The Riffburglar Album.“ Als Jam-Sessions noch keine Super-Sessions und keine eitlen Ego-Trips von halbwegs talentierten Rock-Instumentalisten waren, gab es Dutzende, ja Hunderte von Gruppen wie die Shortlist des Roger Chapman, die nach getaner Konzertarbeit in irgendeinem Club erst richtig zu Form aufliefen und ihre Lieblingssongs spielten, ohne auf das aktuelle Repertoire des singenden Ensemble-Stars Rücksicht zu nehmen. Die Riff-Diebe hinter Chapman erlaubten sich mit den Aufnahmen dieser Schallplatte einen Spaß und spielten mehr als ein Dutzend jener Rhythm & Blues- und Rock-„Oldies“ ein, mit denen sie selber aufwuchsen; sie mischten einige Eigenkompositionen darunter und musizierten recht ungeniert, weil das ganze Projekt ja kein ehrgeiziger rockmusikalischer Kraftakt sein sollte, vielleicht hätten sie doch Dave Edmunds verpflichten sollen, gegen ein freundliches Entgelt während der fünf Tage am Mischpult mitzuarbeiten. Der Welsch-Rocker mit dem rechten Gespür für originale Rock-Klänge hätte die Aufnahmen sicher nur im positiven Sinne manipuliert. Aber auch so ist dieser Streifzug durch die Blues-, R & B- und Rock-Historie streckenweise recht vergnüglich anzuhören (Line Records LLP 5150/Teldec Import Service). Franz Schöler –