Von Jürgen Brauerhoch

Das Leuchtschild „Sandwich-land“ am Pier hätte mich schon stutzig machen müssen. Vor drei Jahren war ich zum letzten Mal auf los. Damals legte das Schiff noch nicht am Hafen an, sondern die wenigen Besucher, meist „Rucksack-Touristen“, mußten noch ausgebootet werden.

Diesmal war alles anders. Und es kam schlimmer, als „Sandwich-land“ und „Kentucky fried chicken“ im Hafen vermuten ließen.

Gegen Abend machte ich mich zu einem Spaziergang ins von ferne wohlerhalten wirkende Kykladendorf Chora, oberhalb des Hafens, auf. An dessen Ende hatte ich eine anscheinend noch intakte Windmühle gesehen, die ich mir näher anschauen wollte.

Der Weg bergan führte durch enge Gassen mit weißgetünchten Häusern und kykladenblauen Fenstern und Türen, die das letzte Licht des Tages reflektierten, vorbei auch an den üblichen Kitschfolklore- und Andenkenläden. Bis dann die ersten Diskotöne aus der Tiefe einer nach außen hin urgriechischen Taverne an mein Ohr drangen. Das Bild wiederholte sich hinter jedem dritten, vierten Eingang, wenn auch Beleuchtung, Kneipen-Namen und Ambiente sich änderten.

Wo ist die Insel geblieben, die Lawrence Durell – vor wie vielen Jahren? – beschrieben hat: „Ganz los ist erfüllt von der stillen Poesie seiner friedlichen grünen Täler und Weinberge, seiner winzigen makellosen Stadt und seines sicheren, herrlich gelegenen kleinen Hafens. Man sollte sich aufraffen, hier an Land zu gehen, und das Glück der tiefen Stille genießen, die nur hin und wieder von einer fernen Kirchenglocke oder vom Trompeten eines Maultieres zerrissen wird. Sogar der Wind scheint hier besänftigt, und so schläft man auf los den tiefen Schlaf der frühen Kindheit ...“. (aus „Griechische Inseln“, Rowohlt Verlag, 1978).

Die Windmühle, am höchsten Punkt des Dorfes gelegen und tagsüber eine warme Altertümlichkeit ausstrahlend, beherbergt – fast überflüssig zu bemerken – die lautstärkste Diskothek der ganzen Insel, und der Mega-Watt-Sound bricht sich noch an der einige hundert Meter entfernten alten Friedhofsmauer.