Von Lothar Czayka

I.

Während die Arbeitslosigkeit weiter zunimmt, wird die öffentliche Meinung in der Bundesrepublik weiterhin von der Vorstellung beherrscht, daß sich eine nachfrageorientierte Beschäftigungspolitik in den vergangenen Jahren als unwirksam erwiesen habe. Abhilfe sei heute also nur noch von einer verstärkten Investitionstätigkeit zu erwarten, weil neue und dauerhafte Arbeitsplätze nur durch zusätzliche Investitionen geschaffen werden könnten.

Umstrukturierung des Sozialprodukts von konsumptiven zu mehr investiven Verwendungen! Zurückhaltung in der Lohnpolitik! Alle müssen den Gürtel enger schnallen! Wir müssen unsere übersteigerten Ansprüche zurückschrauben! Der Aufschwung muß von den Investitionen kommen! So und ähnlich lauten die Losungen, die heute fast unisono von den Unternehmer-Verbänden, der Regierung, der Bundesbank, dem Sachverständigenrat und von allen Experten, die etwas auf sich halten, ausgegeben werden. Gelegentlich hört man sogar die merkwürdige Empfehlung, wir müßten alle die Ärmel aufkrempeln und wieder mehr arbeiten. Daneben gibt es weiterhin die Versuche, den Umfang der Arbeitslosigkeit durch den Hinweis auf Drückebergerei und Schwarzarbeit herunterzuspielen.

Die ungeliebte Theorie von Keynes wurde nach einigen Anwendungsversuchen schnell zu den Akten gelegt und das modisch aufgeputzte Saysche Theorem wieder aus der Mottenkiste geholt: Nicht die Nachfrage ist das Problem, sondern die Angebotsbedingungen müssen verbessert werden!

II.