DAS KURZE INTERVIEW

Am 17. Juni soll endgültig die neue linke Partei „Demokratische Sozialisten“ gegründet werden. Ein Kongreß in Recklinghausen hat am Wochenende den Segen dazu gegeben. Manfred Coppik hatte mit Karl-Heinz Hansen dazu aufgerufen.

ZEIT: Ist die neue Partei ein gründlich geplantes Unternehmen oder mehr ein aus der Not geborenes Zufallsprodukt?

Coppik: Es ist dringend notwendig, daß die Kräfte, die links von der SPD stehen, sich zusammenfinden. Wenn Sie so wollen, ist das natürlich aus der Not geboren; aus der Not nämlich, daß die SPD in der Regierung eine Politik betreibt, die mit den sozialdemokratischen Grundpositionen in keiner Weise mehr in Verbindung gebracht werden kann: ob in der Rüstungspolitik, bei der Umweltzerstörung, der Massenarbeitslosigkeit oder beim Abbau des Sozialstaats.

ZEIT: Die CDU gewinnt Wahlen, die SPD befindet sich in der Defensive – von der Linken gar nicht zu reden. Ist das der richtige Zeitpunkt für eine Neugründung?

Coppik: Die SPD befindet sich ja wegen ihrer Politik in der Defensive. Ich weiß, daß zum Beispiel in den Betrieben bei vielen Menschen ein riesiger Unmut da ist über diese Politik. Das führt bei vielen zu Resignation oder dazu, daß sie etwa bei Wahlen zu Hause bleiben. Das kann man bei den Stammwählern der SPD besonders deutlich sehen. Das führt bei anderen mitunter sogar dazu, daß sie die einzige populäre Alternative, nämlich die CDU, wählen, obwohl dadurch nichts besser wird. Da ist ein Gegengewicht dringend notwendig.

ZEIT: Wie stark kann denn dieses Gegengewicht werden? Eine Hoffnung für Hunderttausende, wie Sie sagen, oder eine sektiererische Splittergruppe, die auf dem Müllhaufen der Geschichte landet, wie Otto Schily das einschätzt?