West-Berlin

Muß der Berliner Landesjugendring seine Zeitschrift Blickpunkt einstellen, weil die öffentlichen Subventionen dafür gestrichen werden? Bisher bekommt das „Jugend-Journal“, das monatlich in einer Auflage von 10 000 Heften erscheint, jedes Jahr 300 000 Mark aus den Töpfen der Bonner Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit, Antje Huber (SPD). Damit soll es nun, wie deren Berliner Kollegin Hanna-Renate Launen meint, ein Ende haben.

Frau Laurien, im CDU-Minderheitssenat für Schule und Jugend verantwortlich, war von der neuesten Blickpunkt-Nummer so schockiert, daß sie „nicht mehr nur die Grenzen des guten Geschmacks, sondern die Grenzen der notwendigen Gemeinsamkeit von Demokraten“ verletzt und „Grundwerte in Frage gestellt“ sah, wie sie empört an die „sehr verehrte Frau Huber“ schrieb.

Was die Christdemokratin so in Rage brachte, daß sie staatliche Konsequenzen fordert, waren zwei Beiträge zum Thema USA und Polen. Auf Seite 31 gab es eine Karikatur des amerikanischen Präsidenten: Ronald Reagan räkelt sich nackt in einer Peep-Show, sein Hintern ruht auf einer US-Flagge, da wo er sonst sein Geschlechtsteil hat, ragt eine Rakete heraus.

Dazu kann man lesen, bei der „Endlösung der Kommunismusfrage“ sei die Phantasie Reagans „schier unerschöpflich“; „Mitspieler“ seien dabei „die europäischen Arbeitslosen-Millionäre Thatcher und Schmidt, der autonome Mitterrand und weitere Zivil- und Militärgouverneure, die sich dem Herrn im Weißen Haus stets artig zu Füßen kuscheln“. Und an anderer Stelle als „Ursachen der polnischen Krise“, wie Frau Laurien entsetzt las, notiert: „Die in den siebziger Jahren nach dem ersten Danziger Aufstand forcierte Industrialisierung mit Hilfe von Technologie-Importen aus dem Westen.“

Auf so etwas, schrieb Frau Laurien an Frau Huber, müßte man ja wohl reagieren, „wenn wir uns nicht dem Vorwurf aussetzen wollen, öffentliche Mittel gegen den Staat, gegen die Friedensprinzipien, gegen die Gemeinsamkeit der Demokraten einzusetzen“. Ihr Parteifreund, der Berliner Bundestagsabgeordnete Hackel wurde noch deutlicher und kündigte an, sich im Haushaltsausschuß des Bundestages für eine Streichung der 300 000 Mark einzusetzen.

Der Berliner Landesjugendring, unter dessen Mitgliedsverbänden es ebenfalls, vor allem wegen des Polen-Beitrags, deutliche Kritik am Blickpunkt gab, wies die „Disziplinierungsversuche“ der Senatorin „als unerträglich“ zurück; sein Magazin sei in erster Linie für Jugendliche gemacht und dürfe sich „von daher nicht an den Anstands- und Geschmacksvorstellungen der Senatsverwaltung orientieren“. Auch SPD, FDP und die Deutsche Journalisten-Union protestierten gegen den Laurien-Brief.