Die Berliner Hochschulen haben vom Abgeordnetenhaus eine Hausaufgabe gestellt bekommen: Bis zum 31. Mai 1982 müssen sie den Hauptausschuß des Parlaments, der über den Etat der Universitäten entscheidet, über die sogenannten „Uralt-Studenten“ aufklären. „Uralt-Studenten“, das sind all diejenigen, die seit mehr als acht Jahren immatrikuliert sind. Allein an der Freien Universität haben 10 409 Studenten, also 22 Prozent, heute 17 Semester und mehr auf dem Buckel. Eine „Bereinigung der Studentenstatistik“ soll einige Millionen Mark einsparen helfen.

Das erscheint auf den ersten Blick logisch. Doch bei näherem Hinsehen zeigt sich, daß die Dinge komplexer sind. Denn schon seit 1975, und das müßten auch die Hochschulexperten der Berliner Parteien wissen, gilt die „Kapazitäts Verordnung“: Personalausgaben und Raumbedarf der Universitäten werden keineswegs nach der Gesamtzahl der eingeschriebenen Studenten errechnet. Allein die Zahl der Studienanfänger und der vermutete „normale Studienverlauf (für Geisteswissenschaftler acht bis zehn, für Naturwissenschaftler und Mediziner bis zu 14 Semester) werden als Grundlage zur Etatberechnung herangezogen.

Die „Uralt-Studenten“ kosten also die Hochschulen nicht viel, die meisten beanspruchen weder Räume noch Professoren. Sie exmatrikulieren sich nur nicht, weil sie als Studenten günstigere Beiträge für die Krankenkasse haben und mit dem Studentenausweis etliche Verbilligungen bekommen.

Das eigentliche Problem, daß die Berliner Universitäten auch ohne „Uralt-Studenten“ zu 35 Prozent überbelegt sind, wird nicht aus der Welt geschafft, wenn man diese „Karteileichen“ streicht.

*

Die Initiative „Solidaritätsfonds für Junglehrer“ aus Tuttlingen (eine Lehrergruppe bezahlt einen jungen Kollegen aus der eigenen Tasche, vgl. ZEIT 8/82) macht Schule. Über dreißig Anfragen von Gymnasien aus allen Teilen Baden-Württembergs registrierte der Verein bis Anfang März. Bald wird es in zwei weiteren Städten – nach dem Vorbild des Tuttlinger Modells – mit Hilfe eines Solidaritätsfonds eingestellte und bezahlte Lehrer geben, die privaten Förderunterricht erteilen.

Die Tuttlinger Lehrer wollen jedoch nach wie vor auf die Schaffung von Arbeitsplätzen an den Schulen selbst hinwirken. Darauf haben sie jetzt in einem offenen Brief an Kultusminister Mayer-Vorfelder hingewiesen. Sie fordern den Minister auf, durch eine offizielle Umfrage an den Gymnasien des Landes die Zahl derjenigen Lehrer herauszufinden, die bereit sind, weniger zu arbeiten und weniger Geld zu verdienen. Das Ergebnis dieser Erhebung könne schon beim nächsten Einstellungstermin für Junglehrer dazu führen, daß eine Vielzahl neuer Stellen zur Verfügung stehen.