Darmstadt

Seit dem 10. März ist bekanntlich Weltuntergang: wegen der Unausgewogenheit. Alle Planeten hängen auf einer Seite und addieren ihre Schwerkräfte, weshalb es bei uns drunter- und drübergehen muß. Daß dies der Fall ist, weiß jeder „Tagesschau“-Seher. Daß sich die Welt trotzdem noch dreht, beweist gar nichts. Schließlich lesen wir in der Offenbarung, daß dem Weltuntergang seltsame Erscheinungen, Lichtzeichen und andere Menetekel vorausgehen werden. Das herablassende Grinsen kalter Rationalisten macht niemand mehr irre, denn, so ließ schon Shakespeare seinen Hamlet sagen: „Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als sich unsere Schulweisheit träumen läßt.“

Die Gemeindeschwester Margarethe Gustafson aus Messel bei Darmstadt hat mit Shakespeare nichts zu schaffen, aber einige dieser Hamletschen Dinger hat sie nun gesehen, und zwar am Freitagabend, 12. März, gegen halb zehn. Orange war es, ganz hell geleuchtet hat es, und von vier weiteren Figuren war es umgeben, untertassenförmig.

Die Gemeindeschwester ging zur Polizei. Die Polizei dachte: Die Alte spinnt. Das hat man ja jeden Tag, daß irgendwo irgendwer irgendwas erlebt hat, wovon sich unsere Schulweisheit nichts träumen läßt. Die Erscheinungen der heiligen Maria, die Wunder von Lourdes, die spukende Schwiegermutter von Schloß Windsor, die Austreibung des Leibhaftigen in Klingenberg – alles schon gehabt. Und der Chopper in Neutraubling sitzt noch frisch im Gedächtnis.

Nun also die kleinen, grünen Männchen von Messel. Verständlich, daß die diensthabenden Polizisten lieber nach Hause gegangen wären. Aber andererseits: Man hat schon Pferde kotzen sehen. Also gingen sie hin, Und da sahen sie es leuchten, zwar nicht ganz so, wie von der Gemeindeschwester beschrieben, aber im Prinzip schon. „So groß wie zwei Sterne war es, aber viel heller“, sagt Polizeimeister Thomas Weiland vom Polizeirevier Arheilgen, „und dauernd wechselte es die Farbe von Dunkelgrün über Hellgrün bis fast ganz Weiß, dahinter vier weitere Körper.“ Thomas Weiland und sein Kollege wußten, was die anderen denken würden, wenn sie das in den Polizeibericht schrieben; darum riefen sie gleich drei weitere Streifenwagen nach Messel.

Und acht Polizisten sahen, was am darauffolgenden Dienstag im Darmstädter Tagblatt ohne jegliches Anführungszeichen so beschrieben war: „Ein grellgrünes Ufo, das offenbar zu einer Landung hinter einer Baumreihe in der Nähe der Bundesstraße nach Darmstadt anzusetzen versuchte. Gleichzeitig standen vier Fliegende Untertassen etwa hundert Meter hoch am Himmel.“ Dann verschwand das grüne Ding hinter den Bäumen, und als es wieder emporkam und immer höher stieg, bis nichts mehr zu sehen war, knackte es plötzlich im Lautsprecher der Streifenwagen.

Zur selben Stunde konnten in den Wohnzimmern von Messel, Neu-Kranichstein und Darmstädter Randbezirken die Fernsehgeräte die Zeilenabstände nicht mehr einhalten, die Bilder auf der Mattscheibe verschwammen. Auf den Radarschirmen der militärischen Flugüberwachung der US-Streitkräfte in Frankfurt tauchte Unerklärliches auf: „Vier unbekannte Flugobjekte flatterten über die Mattscheiben – auf dem Weg über Messel nach Darmstadt. Etwa nach einer halben Stunde waren sie wieder spurlos verschwunden.“ So stand es im Darmstädter Tagblatt.