Die Analyse-Abteilungen der Banken wagen sich mit ersten Ergebnisschätzungen für das laufende Jahr hervor. Die Deutsche Gesellschaft für Anlageberatung mbH (Degab), der Deutschen Bank nahestehend, kommt zu dem Schluß, daß die Ergebnisse der von ihr untersuchten börsennotierten Unternehmen bis zu zehn Prozent höher liegen werden als im vergangenen Jahr. 1980 waren sie um durchschnittlich neun, 1981 nochmals um elf Prozent geschrumpft.

Das Düsseldorfer Bankhaus Trinkaus & Burkhardt stützt mit seiner Ertragsprognose die Voraussage der Degab. Nahezu bei allen von Trinkaus aufgeführten Standardaktien liegt das für 1982 geschätzte Ergebnis je Aktie über dem des Vorjahres.

Die sich abzeichnende Ertragswende ist einer der Gründe für die zuversichtliche Börsenstimmung. Ein anderer liegt in der fortschreitenden Zinssenkung. Dabei besteht kein Zweifel, daß die Zinsen in der Bundesrepublik keineswegs völlig von denen der USA abgekoppelt werden können. Das zeigt der anziehende Dollar-Kurs deutlich. Die Bundesbank kann ihn aber so lange in Kauf nehmen, wie auf den Weltmärkten die Preise (einschließlich Erdöl) sinken und die Inflationsrate in der Bundesrepublik nicht steigt. Die bisher vernünftigen Tarifabschlüsse sind dafür eine gute Voraussetzung. Sie sind die dritte Ursache für die in den Börsensälen herrschende Zuversicht.

Allerdings, Zuversicht und gute Stimmung allein würden nicht ausreichen, um die Kurse nach oben zu bringen. Sie steigen nur, wenn es mehr Käufer als Verkäufer gibt. Und dafür sorgen im Augenblick die Ausländer. Es sind weniger Interessenten aus den Opec-Staaten, die zur Zeit deutsche Aktien erwerben, als vielmehr Käufer aus der Schweiz, England und auch aus den USA. Sie spekulieren auf eine wieder erstarkende Mark und auf Wechselkursänderungen innerhalb des Europäischen Währungssystems (EWS) mit einem Aufwertungseffekt für die Mark.

Eine feste Tendenz, die sich allein auf Währungsspekulanten stützt, steht jedoch auf schwachen Füßen. Um so mehr sind die Kreditinstitute bemüht, deutsche Anleger zu mobilisieren. Zwar gibt es gewisse Anfangserfolge, aber noch erweist sich der hohe Zins am Rentenmarkt als wirksamer Widerpart. Die private Bankenkundschaft handelt nach der ihr zum Jahresende von den Banken nahegebrachten Parole: „Erst Renten – danach Aktien kaufen!“

Von Mißtrauen gegenüber den Staatstiteln, wie man es im vergangenen Jahr vorübergehend glaubte beobachten zu können, ist keine Rede mehr. Und dies obwohl Bundesfinanzminister Matthöfer nahezu wöchentlich neue Finanzierungslücken beim Bund entdeckt Eine Rolle mag spielen, daß sich die FDP bisher hartnackig geweigert hat, einem Zuwachs in der Neuverschuldung zuzustimmen. Wenn daran das sogenannte Beschäftigungsprogramm der Bundesregierung letztlich scheitern sollte, wird die Wirkung auf die Aktientendenz gering sein. Denn mehr als Mitnahmeeffekte (Vorziehen von Kraftfahrzeuganschaffungen) verspricht man sich von diesem Programm ohnehin nicht.

Daß von der Zinssenkung die Bank-Aktien am meisten profitieren, war zu erwarten. Daß dabei die Kurse jener Institute am stärksten gestiegen sind, die entweder ihre Dividende haben ganz ausfallen lassen oder senken müssen, kann nicht überraschen. Dafür sind die Aktionäre der Deutschen Bank und der Bayerischen Vereinsbank vorher von unangenehmen Kursverlusten verschont worden. K. W.