Der Katzenjammer, der Italiens Kommunisten befallen hat, ist so groß wie der Erfolgsrausch, dem sie sich hingegeben hatten. Aus einem „Volltreffer“ gegen die „Democrazia Cristiana“ wurde ein Bumerang.

Drei Tage lang hatte das KP-Parteiorgan Unità mit fetten Schlagzeilen verkündet, sie sei im Besitz eines Dokumentes, aus dem sich ergebe: zwei christdemokratische Regierungsmitglieder, Minister Scotti und Staatssekretär Patriarca, seien im Mai 1981 mit dem neapolitanischen Camorra-Boß Cutolo im Gefängnis zusammengetroffen und hätten ihn in die Vermittlung eines Lösegelds von 14 Milliarden Lire (2,8 Millionen Mark) eingeschaltet, das den Roten Brigaden für die Freilassung des christdemokratischen Politikers Cirillo bezahlt wurde.

Das Dokument hätte Italiens innenpolitische Szenerie erschüttern, eine Regierungskrise und schließlich eine Parteikrise beim bevorstehenden christdemokratischen Kongreß hervorrufen können – wenn es sich nicht um eine schnell erkennbare, weil plumpe Fälschung gehandelt hätte. Nichts an dem Papier stimmte, weder der Briefkopf noch die Behördenbezeichnungen, Adressen und Daten.

„Ohne Zögern“, doch nach dramatischem internen Krach, gestand die kommunistische Parteidirektion vorige Woche den „Irrtum in Bewertung und Methode“ ein. Wie aber konnte die Partei in eine so primitive Falle tappen – und wer hat sie hereingelegt?

Noch während es aus dem Lager der Regierungsparteien Empörung, Schadenfreude und Beleidigungsklagen hagelte, bekannte das Direktions-Mitglied Chiaromonte mit unverkennbarem Seitenblick auf Parteichef Berlinguer „Die Wurzel dieses Irrtums ist, daß wir uns von unserer traditionellen Art des politischen Kampfes entfernt haben, man kann ihn nicht mit Skandalen führen.“

Tatsächlich hätten der Unità-Chefredakteur (der jetzt zurückgetreten ist), aber auch Berlinguer, der sein Placet gab, früher schwerlich ein solches Dokument, auch ein echtes, sofort als Waffe benutzt. Erst ihr verkrampfter Kurs, der die Trennung von Moskau durch innenpolitische Konfrontation wettmachen soll, hat sie dazu verleitet.

Die 27jährige Gerichtsreporterin der Unità, Marina Maresca, die gerade ihr Volontariat beendet hatte, lieferte die „Sensation“. Sie belog, wie sie dem Untersuchungsrichter gestand, ihren Chefredakteur und behauptet, das Dokument von einem Justizbeamten erhalten zu haben. Wer es ihr wirklich zuspielte, wollte sie „vorläufig“ nicht verraten. War es ihr Freund, ein Zwielichter, vorbestrafter, geflüchteter Nachrichtenhändler?