Von Michael Schwelien

Amerikanisches Football, das ist jenes Spiel, bei dem die Spieler gekleidet sind wie Astronauten, die gerade den Mond inspizieren wollen: Helme und dicke, mit Plastik gepolsterte Anzüge. Nicht-Amerikaner können das Spiel nicht verstehen: eine Massenkeilerei nach den kompliziertesten Regeln der Welt.

Nach wenigen Sekunden Spielzeit wird die Schlägerei gleich wieder unterbrochen, aber nicht, weil die Fernsehgesellschaften Pausen für Werbespots verlangen, sondern weil sich die Spieler vor jeder Keilrunde ausführlich besprechen: Taktik und Strategie.

Es lohnt sich nicht, die Regeln zu kennen. Das Spiel ist aus anderen Gründen beliebt in Amerika: Es ist brutal. Organized crime, sagte einmal ein Kritiker. Ein Spieler der Oberligamannschaft Greenbay-Packers brach einmal einem Gegner das Genick, ohne es zu merken. „Ich kann ihn nicht sehr kräftig gestoßen haben“, sagte er mit unschuldigem Augenaufschlag nach dem Spiel, das selbstverständlich nicht abgebrochen wurde.

Aber Football hat auch etwas mit höherer Bildung zu tun. Jetzt ist da jedenfalls ein junger Mann mit Namen Herschel Junior Walker, bei dem sich Football aufs schwierigste mit der höheren Bildung und der US-Verfassung verbindet – ein komplizierter Fall.

Doch zunächst sollte man wissen, wer Herschel Junior Walker ist. Amerikanische Sportberichterstatter stellen ihn so vor: 6 Fuß 2 Inches groß, 220 Pounds schwer, 3741 Yards gewonnen und 37 Touchdowns in den beiden letzten Jahren. Was auch immer diese Zahlen bedeuten mögen, es muß gut sein.

Denn Herschel Junior Walker hat die bis dahin offensichtlich nicht sonderlich berühmte Mannschaft der University of Georgia auf Platz 1 der Universitätsliga geführt. Beobachter beschreiben sein Spiel mit den anerkennenden Worten „unglaublich“ und „erschreckend“. Er gilt als einer der ganz wenigen Spieler, dem man den Sprung von der Schulmannschaft gleich zu den Profis zugetraut hatte.