Berlin: „Syrien – Forum der Völker und Kulturen“

Der Orient gilt als Wiege der Menschheit und ihrer Kultur: bei den täglichen Schreckensmeldungen aus dem Nahen Osten, auch aus Syrien, wird das allzu leicht vergessen. Diese etwa zehntausend Jahre zurückreichende Schau erinnert daran, auch wenn sie letztlich nicht ganz so prächtig ausschaut, wie die Werbung es dem Tut-verwöhnten Publikum verspricht, und diese Kultur nicht ganz so mystisch, nicht ganz so einheitlich und eindeutig ist, wie der Totschlag-Haupttitel „Land des Baal“ suggeriert. Staaten brauchen ihre nationale Identität, vor allem wenn sie so jung sind wie die seit 1944 unabhängige Syrisch-Arabische Republik. Dazu gehört auch die nationale Kultur. Insofern ist die Ausstellung eine politische Veranstaltung: weil sie Jahrtausende Zurückreichendes für die Gegenwart reklamiert, und weil zum erstenmal in diesem Umfang Hauptwerke aus vier syrischen Museen in die Bundesrepublik gekommen sind. Nehmen wir das Angebot an, dankbar, ja, und mit offenen Augen. „Syrien“ gab es auch im Altertum, doch war es nicht mit dem heutigen Staatsgebiet identisch. Das Land zwischen Mittelmeer und Euphrat, zwischen Mesopotamien und Ägypten hat keine Gestalt, die ein geschlossenes Staatsgebiet begünstigt; vielmehr war es in dieser Brückensituation, durchlaufen von wichtigen Fernhandelsstraßen, offen für die anrainenden Hochkulturen, aber auch für Eroberer, angelockt durch den im Handel aufgehäuften Reichtum. Das Gebiet war assyrisch, hethitisch, ägyptisch beeinflußt; dann kamen die westliche hellenistischrömische Kultur (die in der Ausstellung recht einförmige Spuren hinterlassen hat), der Islam, der Damaskus zur Hauptstadt machte, es kamen die Türken und – vor der Unabhängigkeit – für ein paar Jahre die Franzosen. Verwunderlich fast, daß nach dieser Vergangenheit – und nach den westlichen, vor allem auch deutschen Ausgräbern – überhaupt noch etwas in syrische Museen gelangen konnte. So ist die Schau weniger eine Aneinanderreihung überragender Kunstwerke – die es auch gibt – als eine beeindruckende Zusammenfassung vom Werden, Blühen und Vergehen von Kulturen, von den Bewegungen der Völker und Religionen. Der hervorragende Katalog bietet dazu den aktuellen Wissensstand der Archäologie, die schier unerklärliche Ausstellungsarchitektur erschlägt die oft kleinen Exponate ebenso wie die Besucher. (Große Orangerie Schloß Charlottenburg, bis 1. Juni, danach in Aachen, Tübingen, Frankfurt und München; Katalog 25 Mark) Ernst Busche

München: „Deutsches Theatermuseum: Neuerwerbungen und Stiftungen 1977-1981/Neue Sammlung: Neu – Donationen und Neuererwerbungen 1980/81“

Hans Wichmann, der Leiter der Neuen Sammlung, beendet bei jeder sich bietenden Gelegenheit seine Ausführungen mit der vom älteren Cato entlehnten und zweckdienlich umformulierten Bemerkung: „Im übrigen bin ich der Meinung, daß dieses Museum erweitert werden muß.“ Ob sein Insistieren etwas nützt, steht vorläufig noch in den Sternen, immerhin hat er die Hoffnung nicht aufgegeben – im Gegensatz zu Eckehart Nölle, dem Direktor des Deutschen Theatermüseums, der nach jahrelangen vergeblichen Bemühungen um eine Verbesserung der schlicht unhaltbaren Zustände jetzt langsam zu resignieren scheint. Die Situation ist grotesk, Bayern, in seiner Verfassung ausdrücklich als Kulturstaat definiert, besitzt zwei Museen, international hochangesehen und im Falle des Theatermuseums wohl potentiell in der Rangskala ganz oben, um die sich niemand kümmert. Ein Blick auf die Neuerwerbungen beider Institute, die aus Platzmangel nicht einmal wesentliche Teile ihrer Bestände zeigen können, macht deutlich, daß es sich hier eigentlich nur um trotzige Lebenszeichen handelt. Für das Theatermuseum, das mit einem winzigen Ankaufsetat (weniger als ein Tausendstel der jährlichen Subventionen für die Staatstheater) in eine ungewisse Zukunft sammelt, stellt sich allmählich die Frage nach dem Sinn solchen Tuns. Manches kann man noch in die bereits übervollen Schubfächer stopfen, die Bühnenbildentwürfe von George Grosz, Caspar Neher oder Teo Otto etwa, anderes bringt für das auch personell schwachbrüstige Museum fast unlösbare Probleme mit sich: Wer soll die mehr als 120 000 Negative und Abzüge von Aufnahmen Willy Saegers, die fünfzig Jahre Berliner Theatergeschichte, von 1931 bis heute, dokumentieren, für Interessierte handlich aufbereiten? Der Neuen Sammlung geht es nicht besser: das erste Automobil, das als Beispiel für industrielles Design in die Sammlung gekommen ist, paßt nicht einmal in die Ausstellungsräume. Plakate, Werkzeuge und selbst Möbel lassen sich leichter unterbringen – wegen Enge kleine Formate bevorzugt! (Neue Sammlung, bis Mai, Katalog 14 Mark; Deutsches Theatermuseum, bis 4. Juli, Katalog 4 Mark) Helmut Schneider

Wichtige Ausstellungen

Bielefeld: „Joseph Kosuth: Bedeutung von Bedeutung“ (Kunsthalle bis 25. 4., Katalog 25 Mark)

Frankfurt: „Christo – Projekte in der Stadt 1961-1981“ (Städelsches Kunstinstitut/Städtische Galerie bis 12. 4., Katalog 20 Mark)