Saudi-Arabien will verhindern, daß die Ölgesellschaften ihre Bezüge aus Nigeria drosseln

Nigeria ist in der internationalen Ölindustrie zum Reizwort geworden. Denn angeblich planen Saudi-Arabien, Kuwait und möglicherweise noch andere Golfstaaten Strafaktionen gegen jene Ölkonzerne, die ihre Rohölbezüge aus Nigeria kurzen. So jedenfalls will es der Middle East Economic Survey wissen, der in dem Ruf steht, aus Saudi-Arabien mit Nachrichten versorgt zu werden.

Geäußert hatte sich die Ölmacht am Golf zu Beginn dieser Woche freilich noch nicht. So versichert Hans Hanky, Sprecher der Deutschen Shell, nach Rücksprache mit der Londoner Shell-Zentrale: „Es gibt nichts Offizielles.“ Weder liege in London ein Brief oder ein Fernschreiben vor, noch sei die Shell von den angeblichen Absichten der Saudis auf andere Weise informiert worden.

Tatsache ist freilich, daß Afrikas volkreichster Staat für eine derartige Hilfsaktion der Opec-Brüder dankbar sein müßte. Denn die Öl-Förderung Nigerias, die schon im vergangenen Jahr um ein Drittel auf 68 Millionen Tonnen sank, hat sich im laufenden Jahr noch einmal halbiert. Statt 1,2 Millionen Faß werden derzeit täglich nur noch 600 000 Faß aus dem nigerianischen Boden gepumpt – viel zu wenig, um die auf eine höhere Förderung und damit auf höhere Einnahmen abgestellte Finanzplanung des Landes aufgehen zu lassen.

Die Ursache des Absatzrückganges ist klar: Es gibt gleichwertiges Öl, das erheblich billiger ist. Zwar haben die Nigerianer nach der letzten Opec-Konferenz in Wien ihren Preis von 36,50 auf 35,50 Dollar je Barrel gesenkt, sie sind damit aber immer noch um 4,50 Dollar je Barrel teurer als die Engländer, die ihr Nordsee-Öl inzwischen für 31 Dollar anbieten.

Und dies in steigenden Mengen; Nachdem die britische Förderung schon 1981 um gut zehn Prozent auf 89 Millionen Tonnen zunahm, wird für das laufende Jahr mit einer weiteren Steigerung auf rund hundert Millionen Tonnen gerechnet. Die Nachfrage nach Ölprodukten aber geht weltweit immer noch zurück, und die Ölkonzerne passen ihre Bestände an die gesunkene Nachfrage an – Rohöl wird also trotz der Förderdrosselung der Opec im Überfluß vorhanden sein.

Verwunderlich ist auf den ersten Blick nur, daß es ausgerechnet die Nigerianer so massiv trifft. Denn ihr Öl ist, verglichen mit den Preisen anderer Opec-Länder, keineswegs zu teuer. Die Saudis verlangen zwar nur 34 Dollar je Barrel, ihr Öl ist jedoch von geringerer Qualität, überdies ist der Transport nach USA und Europa billiger. Zwar geht inzwischen ein Teil des Golföls für Europa durch den Suezkanal zu den Kopfstationen der Pipelines im Mittelmeerraum – der weite Weg ums Kap der Guten Hoffnung ist aber keineswegs aus der Mode gekommen.