Bisher benahmen sich die Kultus- und Wissenschaftsminister wie schlechte Gärtner, die nicht zwischen Franzosenkraut und Krokussen zu unterscheiden wissen. Beim Sparen kappten sie ohne Unterschiede Unkraut wie Zierpflanzen. Das Ganze nannten sie „lineare Kürzungen“: Maßnahmen, die allen Universitäten und Fachbereichen eine bestimmte, überall gleich hohe Sparquote auferlegten.

Jetzt soll erstmals das Unkraut einzeln ausgerupft werden, um die Blumen zu erhalten – jedenfalls in Nordrhein-Westfalen. Zum Auftakt einer großen Frühjahrsaktion hat Wissenschaftsminister Hans Schwier Anfang dieser Woche den Rektoren und Kanzlern aller Hochschulen seines Landes einen Vorschlag zur „Konzentration und Neuordnung von Studienangeboten und Studiengängen“ unterbreitet.

Unkraut ist in den Augen Schwiers die Lehrerausbildung. Hier strebt er, wie er das beschönigend nennt, einen „Abbau von Ausbildungskapazitäten“ an. Aus Schwiers Vorschlag: „Die Ausbildung im SI- und Primarbereich (das sind die Mittelstufe und die Grundschule) in Aachen wird eingestellt.“ „Die Ausbildung im S I-Bereich in Bonn wird eingestellt.“ „Die Ausbildung im Primarbereich in Paderborn wird eingestellt.“ „Die Ausbildung im S Ii-Bereich (Oberstufe) in Dortmund wird auf die bereits eingerichteten beruflichen Fachrichtungen sowie die Fächer Mathematik, Physik, Chemie, Musik und Sport beschränkt.“

Und so weiter und so fort: Die Liste ist viel zu lang, um hier zitiert zu werden. Man staunt, wie viele Hochschulen es in Nordrhein-Westfalen gibt.

Für Unkraut, an dem man zupfen kann, hält Schwier ferner: Wirtschaftswissenschaften („kann im Hinblick auf die Nachfrage um 10 Prozent verringert werden“), Pädagogik, Sozialpädagogik und Sozialarbeit („landesweit resultiert daraus ein um 30 Prozent gekürztes Studienplatzangebot“), Geschichte („25 Prozent verringert“), Physik und Mathematik („30 Prozent verringert“).

So viel zum Thema „Unkraut“. Und die Blumen? Erhaltenswert sind für Schwier die Ingenieurwissenschaften. Dort werden „grundsätzlich anzustrebende Einsparungen durch Neuordnungsmaßnahmen bis auf wenige Ausnahmen zunächst zurückgestellt“. Und die Medizin, etwa das gerade in Betrieb genommene Großklinikum Aachen: „Ich verhehle Ihnen nicht, daß ich etwa ein Drittel der frei werdenden Stellen für die Kliniken in Aachen, Düsseldorf und Münster reservieren muß“, sagte Schwier vor den Rektoren und Kanzlern.

Seine Frühjahrsaktion wird wohl Zustimmung finden, und zwar in einem Maße, das erschreckend ist. Schwier hat sein Konzept mit seiner Partei, der SPD, besprochen, bevor er es den Hochschulen vorlegte. „Das Verständnis der Abgeordneten für die notwendige Neuorientierung ist so groß, daß ich mich fast vor ihm fürchten muß“, bekannte er jetzt.

Eine Million Studenten besuchen gegenwärtig die Hochschulen der Bundesrepublik. 1,3 Millionen bis 1,4 Millionen erwarten die Bildungsplaner bis Mitte/Ende der achtziger Jahre, weil dann die geburtenstarken Jahrgänge Abitur machen. Wohin mit Ihnen, Herr Schwier? Auf den Komposthaufen in der Ecke des Gartens? Peter Pedell