Von Michael Schwelien

Das schöne Vorfrühlingswetter bot dem Betrachter immer das gleiche Bild. Am frühen Morgen noch hüllte dichter Nebel die am nördlichen Rande Bremens gelegene Universität ein, doch schon nach wenigen Stunden kam die Sonne durch, und die Hochschule lag im strahlenden Licht.

Beim politischen Wetter war es genau umgekehrt.

Während man auf den ersten Blick noch zu erkennen glaubte, welche Folgen das am Montag von der Bremischen Bürgerschaft beschlossene neue Hochschulgesetz und der tags darauf verkündete Rücktritt des Rektors, Alexander Wittkowsky, und einer der beiden Konrektoren, Jürgen Lott, haben würde, verschwanden die Konturen beim näheren Hinsehen in einem Nebel von Ungereimtheiten und Widersprüchen:

Alexander Wittkowsky begründete seinen Rücktritt mit dem neuen Hochschulgesetz. Die Reform, meinte er auf einer Pressekonferenz, sei nun endgültig begraben.

Im Gespräch aber gestand der 45jährige Ingenieur, der seit 1977 die Universität leitet, daß die einschneidenden Veränderungen schon seit langem zu erkennen gewesen seien und daß er keineswegs völlig über die Entwicklung der Hochschule resigniere. Es scheint also, als sei das neue Bremer Hochschulgesetz für ihn eher Anlaß als Ursache zum Rücktritt gewesen.

Für den Konrektor, den zur „Sozialistischen Hochschulgruppe“ gehörenden Religionspädagogen Jürgen Lott, kann das neue Hochschulgesetz eigentlich nicht einmal der Anlaß für den Rücktritt gewesen sein, denn er wurde erst vor einem Jahr gewählt, und damals schon war die Absicht des Wissenschaftssenators Horst-Werner Franke, die Universität an die Zügel zu nehmen, in einer „Acht-Punkte-Erklärung“ niedergelegt. Sie war also klar erkennbar.