Hier im Westen gibt’s nur Regie. Regie als Leistungssport, „wer springt höher, weiter?“, darunter leiden natürlich die Schauspieler. Es gibt in erster Linie Konkurrenz zwischen Regisseuren, aber kaum zwischen Schauspielern. Es gibt nicht mal Konkurrenz zwischen Stücken. Das ist natürlich ein perverser Zustand.

Wenn die Französische Revolution nicht stattgefunden hätte, gäb’s auch keine FAZ... Das Faszinierende ist, daß, wenn ich über längere Zeit hier bin und die FAZ lese über Wochen, daß dann in mir richtiggehend DDR-patriotische Gefühle hochsteigen.

Ich saß vor einiger Zeit in Bochum im „Novotel“. Da war eine Konferenz für Vertreter von Landesbausparkassen, glaube ich. Und dann kamen sie heraus, diese koffertragenden Zombies mit ihren leeren Gesichtern, die sich alle subjektiv so frei fühlen.

Ich habe überhaupt keine Lust mehr, wahrscheinlich auch gar nicht die Fähigkeit, mich auf eine Gesellschaft einzulassen, die das Geld zum absoluten Wert erhebt. Da sehe ich bei uns ein Gegenmodell, das natürlich angefressen wird durch die D-Mark... West-Berlin will ich mal ausklammern, weil das eine Stadt ist, die es eigentlich gar nicht gibt, das ist reine Utopie, zumindest Teile davon, wenn ich an Kreuzberg denke ... Aber wenn ich mich in Bochum in irgendeine x-beliebige Kneipe setze, dann gibt’s da nur zwei Themen: Geld und Tourismus. Bei uns schimpft man wenigstens noch auf die Regierung.

Deutschland – dieses Thema läßt mich derzeit völlig kalt.

Der Dramatiker Heiner Müller in einem Interview mit dem Berliner TIP-Magazin.

Hamburgs römische Basilika