Österlich, nicht östlich

Hunderttausende aus der Friedensbewegung, die zu Ostern gegen neue Atomraketen und für ein atomwaffenfreies Europa losmarschieren wollen, wurden von der Bundesregierung schon im voraus in kommunistische Marionetten verwandelt: Die DKP sei „die initiierende, organisierende und steuernde Kraft“ der Ostermärsche ’82. Da hat der Verfassungsschutz schlecht recherchiert. Er hätte bereits im Dezember in der ZEIT lesen können, daß die Idee von dem Pazifisten Klaus Vack stammt, einem Veteranen der Ostermarsch-Bewegung von Anno ’ 60. In dem von ihm mit entworfenen „Friedens-Manifest ’82“ der Friedensbewegung, das kein Kommunist unterzeichnen wollte, wurde Ostern zum „Fest des Friedens“ ausgerufen. Wie üblich, hat sich die DKP an die große Bewegung angehängt.

Musterländles Bürgermeister

Die Bundesrepublik ist ein Parteienstaat. Die staatsrechtlich umstrittene Formel läßt sich unbestreitbar allgemeinverständlich übersetzen: Überall im Staat und um den Staat herum haben die Parteien das Sagen. Da verdienen Ausnahmen Aufmerksamkeit. Eine solche Ausnahme von der Regel hat eine Untersuchung in Baden-Württemberg herausgefunden: Von den 1038 Bürgermeistern des Landes sind 50,6 Prozent parteilos. Über die Gründe braucht man kaum zu rätseln: Es ist wohl die südwestdeutsche Spezialität der Direktwahl des Bürgermeisters, die den Zugriff der Parteien auf die Spitze der Gemeinden blockiert. Doch keine heile Welt: Wo die Parteien zum Zuge kommen, dort schlägt sich der Parteienproporz höchst einseitig nieder – 37,6 Prozent der Bürgermeister gehören der CDU an, die in Baden-Württemberg über die absolute Mehrheit verfügt; nur 8,5 Prozent der SPD und 2,7 Prozent der FDP – möglicherweise auch eines der Postamente, auf dem das Übergewicht der Union im „Musterländle“ ruht.

Man trägt wieder Hund

„Der Hund ist nicht mehr Klassenfeind“, glossierten Osteuropa-Korrespondenten, als es Ende der sechziger Jahre in den sozialistischen Ländern Mode wurde, wieder Haus- und Rassehunde zu züchten. Zumindest in der Sowjetunion ist es damit jetzt vorbei. Die Vierbeiner müssen neuerlich ein Hundeleben führen, das in mancher Hinsicht an Michail Bulgakows Satire „Hundeherz“ erinnert. Um die Sowjetbürger daran zu hindern, vom knapp gewordenen Fleisch auch noch ihre Vierbeiner zu füttern, hatte die Regierung vor einiger Zeit die jährliche Hundesteuer so erhöht, daß sie das durchschnittliche Monatsgehalt eines Ingenieurs übersteigt. Inzwischen sind Schwarzhändler auf die Idee gekommen, die Felle langhaariger Vierbeiner für Pelzmützen (Schapkas) zu verarbeiten, weil die besseren Felle anderer Tiere zwecks Aufbesserung der sowjetischen Devisenbilanz in den Export gehen. Hundefänger verdienen pro Tier rund 30 Mark, während Hunde-Schapkas inzwischen den zehn- bis zwanzigfachen Preis bringen. In Sagorsk verhaftete die Polizei jüngst einen Kreis von 44 Hundeschapka-Produzenten.

Mit Abstand links

Es gibt nur wenige Zeitungen, die Mitbestimmung praktizieren, noch weniger, bei denen sie funktioniert. Diese Erfahrung machte auch das Pariser Blatt Le Monde. Jahrelang suchten die Redakteure nach einem Nachfolger für ihren Chef Jacques Fauvet. Nach erbitterten internen Kämpfen hoben sie den linken Eiferer Claude Julien aufs Schild, um ihn Anfang dieses Jahres wieder fallenzulassen. Der neue Mann, der voraussichtlich am 1. August die Zügel in die Hand nehmen wird, heißt nun André Laurens, ist 48 Jahre alt und Nummer zwei im politischen Ressort. Seine Kollegen sagen, er sei die Liebenswürdigkeit in Person und alles andere als ein Star – eine Mischung, die dem etwas selbstherrlichen Weltblatt eigentlich gut bekommen müßte. Viele Monde-Leser dürfte auch die Aussicht freuen, daß ihr Blatt nicht zur Regierungspostille wird. Laurens hat nämlich erklärt, er werde auf Abstand zu den Regierenden achten, auch wenn sein Herz links schlage.