Von Erika Martens und Richard Gaul

ZEIT: Herr Breit, beim DGB-Kongreß in Berlin hat sich gezeigt, daß in den Gewerkschaften eine gewisse Resignation herrscht – als Folge der Affäre um die Neue Heimat, aber auch als Folge der wirtschaftlichen Probleme.

Breit: Ich teile Ihre Vermutung nicht, daß da viel Resignation zu spüren war. Es war eher ein Zusammenrücken unter dem Druck der von außen kommenden Vorwürfe. Aber natürlich geben die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen keinen Grund zur Euphorie. Insofern hat der Kongreß sogar bemerkenswert nüchtern gearbeitet und reagiert.

ZEIT: Aber man hat sich doch mit der Vergangenheit – und auch mit der Neuen Heimat – befaßt, statt nach vorn zu schauen.

Breit: Mit der Neuen Heimat hat sich der Kongreß doch eigentlich relativ wenig beschäftigt.

ZEIT: Die Emotionen spielten sich nicht in den offiziellen Beiträgen zum Kongreß ab – aber auf den Gängen und in den Betrieben sind sie zu spüren. Es gibt ein Mißtrauen gegenüber der Institution; eine Furcht, daß doch nichts bereinigt wird.

Breit: Man kann einen Vorstand nur einmal entlassen – und das ist bei der Neuen Heimat sehr früh geschehen. Erst wenn die Prüfungsberichte vorliegen, wird man weitersehen.