Die Macher hatten und haben hohe Ansprüche an sich selbst und an die Gruppen, denn die Rockpalast-Nächte sollen anders sein als die üblichen Rockkonzerte im Fernsehen. „Schon Anfang der siebziger Jahre, als ich noch in München war, bastelte ich an einer Konzeption, wie man eine bessere Qualität von Musikdarstellungen erreichen könnte“, sagt Christain Wagner. „Ich wollte Bands holen, die nicht unbedingt Hitparaden-Renner sind. Ich suchte und suche Gruppen, die in ihrem Genre eine eigene Identität haben und die nicht an Formeln festhalten. Sie müssen gar nicht unbedingt etwas Neues machen. Außerdem dachte ich intensiv über neue Formen der Präsentation nach: Ich wollte nicht den üblichen Bildsalat und kein stumpfes Abphotographieren der Musiker, sondern eine kreative Kameraführung, die den Prozeß des Musikmachens auf der Bühne einfängt.“

An seiner Konzeption arbeitete Wagner eineinhalb Jahre, dann bot er sie Peter Rüchel an, und der holte ihn als Regisseur der zukünftigen Rocknächte nach Köln. „An die Gruppen, die wir für die Festivals holen, legen wir besonders strenge Maßstäbe an. Sie müssen live auf der Bühne ebenso perfekt sein wie im Studio, und das heißt: sie müssen an ihren Instrumenten Könner sein und mehr als nur irgendwelche Elektronikspielchen drauf haben.“

Den beiden redet keiner in die Programmgestaltung hinein, und sie entscheiden zusammen, welche Gruppen sie holen wollen. „Unser persönlicher Geschmack spielt natürlich eine Rolle“, gibt Christian Wagner zu, „ich hole ganz selten eine Band, die mich nicht anmacht. Nur wenn die Mehrheit unserer Zuschauer eine ganz bestimmte Band zu hören wünscht, dann holen wir sie, auch wenn es nicht unbedingt unsere erste Präferenz ist.“ So engagierte er beispielsweise die Michael-Schenker-Groop, eine Heavy-Rock-Band, die „ich zu Hause nicht auflegen würde“.

Wenn Wagner eine Rockgruppe unbedingt haben will, kann er sehr zäh sein: Um The Who vor seine Kameras zu bekommen, mußte er fünfeinhalb Jahre kämpfen. Bühnenaktionen der Who könne man nicht mit der Kamera einfangen, hatte die Gruppe argumentiert, und überhaupt sei die Darstellung von Rockmusik im Fernsehen völlig Darstellung Erst als Who-Bandleader Pete Townsend die WDR-Produktion mit der Gruppe Police sah, stimmte er einem Auftritt auf einem Rockpalast-Festival zu. „Die meisten britischen und amerikanischen Rockmusiker müssen wir in mühsamen Diskussionen erst von uns überzeugen, denn die Musiker fühlen sich durch Fernsehproduktionen nicht repräsentiert. Nicht verwunderlich, da ihre Konzerte im amerikanischen Fernsehen dauernd von Werbespots unterbrochen werden.“

Christian Wagner kennt die Ressentiments der Musiker. Deshalb ist ihm die visuelle Präsentation der Gruppen so wichtig: Der Rockpalast versteht sich nicht als Dokumentation, sondern als Interpretation von Konzerten. Um die Kameras so sensibel wie möglich führen zu können, muß Regisseur Wagner das Programm der Gruppen genau studieren. Meist geht er mit einem fertigen Plan ins Studio und hat seine acht Farbkameras so plaziert, daß nicht bei einem Gitarrensolo ausgiebig der Pianist gezeigt wird, wie das häufig in Musikaufzeichnungen der Fall ist. „Und wir gehen mit den Kameras hinter die Bühne, damit die Zuschauer auch die schwitzenden und erschöpften Musiker sehen und nicht nur die heile Bühnenwelt.“

Für den reibungslosen Ablauf der Rockpalast-Festivals sorgen 75 WDR-Mitarbeiter, allein das Equipment betreuen dreißig Roadies. Das kostet Geld. 250 000 Mark bezahlten die Veranstalter für das erste Festival, für das siebte schon 650 000 Mark. Einen Teil der Summe nimmt der WDR aus seinem Jugendprogramm-Etat, die Restkosten trägt die Plattenindustrie. Eine US-Gruppe bekommt beispielsweise 50 000 Mark vom WDR, was gerade die Kosten des Transports nach Europa deckt. Die meisten Gruppen verdienen in der Regel nichts an den Festivals, sie spielen aber, weil ein Auftritt über Eurovision eine gigantische Promotion bedeutet. Keine Plattenfirma könnte mit normalem Werbeaufwand so viele potentielle Käufer erreichen, deswegen bezahlen die Firmen auch gern die nicht geringen Restkosten.

„Die Plattenindustrie nimmt aber keinen Einfluß auf unsere Auswahl“, behauptet Peter Rüchel. „Wir schlagen dem WDR Gruppen aus unserem Label vor, wenn eine Band, die Rüchel haben will, gerade anderweitig verpflichtet ist“, sagt Heinz Canibol, Productmanager der Plattenfirma CBS.