DIE ZEIT

Auch Riesen können sterben

Bundeskanzler Schmidt hat eine Schreckensvision. Der Welt droht, so wird er nicht müde zu mahnen, eine tiefe Wirtschaftskrise wie zu Beginn der dreißiger Jahre, wenn die Regierungen nicht energisch gegensteuern.

Sind Stimmungen schon Stimmen?

Die Ruhe dieser Sommerwochen ist für die Politik in der Bundesrepublik die Ruhe vor dem Sturm. Spätestens Ende des Monats, wenn die heiße Phase des hessischen Wahlkampfes beginnt, wird nach ihren Akteuren wieder unnachsichtig die Frage greifen, ob und wie lange die Koalition noch überleben kann.

Zeitspiegel

Die Henker im Iran haben weiter alle Hände voll zu tun, aber sie sollen die Exekution billiger gestalten. Bezeichnend für die innere Verfassung des Landes unter dem Chomeini-Regime sind Äußerungen von Ajatollah Ahmad Zargar, dem Vorsitzenden des Gerichts gegen Drogen-Mißbrauch.

Der Tanker

Peter Glotz hat für die Volksparteien das Bild vom schwer beweglichen Tanker geprägt. Er hat daran erinnert, als er sagte, in der SPD wachse die Erkenntnis, daß eine neue Theorie der Sozialpolitik notwendig sei, da die traditionellen Formen des Sozialstaates, wie sie sich geschichtsnotwendig entwickelt hätten, nicht mehr genügten.

Planspiel

Die Amerikaner wärmen den alten Plan auf, einen Teil ihrer westdeutschen Garnison dichter an die Zonengrenze zu verlegen. Diese Forderung war schon in dem Acht-Punkte-Katalog enthalten, den der damalige US-Botschafter Stoessel Ende 1980 in Bonn auf den Tisch gelegt hat.

Provokation

Am Sonntagmorgen kam die Polizei und räumte das am Vorabend „besetzte“ Haus im Hamburger Stadtteil Billstedt, eine zweistöckige, freistehende Villa, vormals die Polizei-Revierwache 93, seit einigen Wochen an einen Galeristen vermietet.

Die Furcht des Nachbarn

Steine flogen, Fensterscheiben gingen in die Brüche, fünfhundert palästinensische Demonstranten aus dem großen Flüchtlingslager am Stadtrand setzten zum Sturm auf die US-Botschaft in Damaskus an.

Letzter Akt im Libanon: Tod oder Leben

Die Feuerpausen, die seit Beginn der israelischen Libanon-Invasion vor zwei Monaten durch Vermittlung des amerikanischen Sonderbotschafters Philip Habib vereinbart wurden, lassen sich gerade noch an den Fingern zweier Hände abzählen.

Afrika: Lektion für Ghaddafi

Hartnäckig beschwor die libysche Presse die afrikanische Eintracht. Das Gipfeltreffen sei nun endlich eröffnet worden, schrieb eine verstaatlichte Tageszeitung, und Muammar al-Ghaddafi, der Gastgeber, habe es als „Wendepunkt in der Geschichte des modernen Afrika“ bezeichnet.

Nordirland: Neuer Anlauf

Die Briten geben die Hoffnung nicht auf, Nordirland zu befrieden. Am 20. Oktober soll eine neue „Nordirland-Versammlung“ gewählt werden, bestehend aus 78 Mitgliedern.

Sokrates unter den Journalisten

Den großen, einordnenden Zugriff auf diese Person der Zeitgeschichte mögen andere versuchen. Mir ist Georg Picht noch zu gegenwärtig.

Türkei: Alte Gegner

Bei einem Anschlag auf dem Flughafen von Ankara sind am vorigen Samstag neun Menschen getötet und 72 verletzt worden. Die beiden Attentäter, die in der Abfertigungshalle eine Bombe zündeten und dann wahllos auf Sicherheitsbeamte und Passagiere schossen, gehörten der „Geheimarmee für die Befreiung Armeniens“ (ASALA) an.

Unflätiges aus Schmudes Schublade

Die Süddeutsche. Zeitung faßte die Botschaft des FDP-Vorsitzenden in den Appell zusammen:’ „Kurs halten!“ Die Welt aber fand den Titel: „Genscher rechtfertigt Wort von der Notwendigkeit der Wende“ und schloß messerscharf, Genscher habe den Fehdehandschuh der Parteilinken aufgegriffen, Die Stuttgarter Zeitung indes urteilte nüchtern: „Genscher ruft die FDP zur Geschlossenheit auf.

Der neue Verhandlungsstil

In der öffentlichen Meinung gilt die Justiz noch immer als konservative Bastion. Anderseits beschweren sich Politiker immer häufiger über „linke“ Arbeits- oder Verwaltungsgerichte.

Berichterstattung über den Libanon: Die „taz“ auf Abwegen

Die Sturmabteilung aus der militanten Szene wartete fast zwei Stunden auf ihr Opfer. Als Johann Legner, Redakteur der Tageszeitung (taz) abends um halb elf immer noch nicht zu Hause war, nahmen sich die 15 bis 20 Leute von den selbsternannten „Antifaschistischen Aktionsgruppen“ seine Wohnung vor.

Ihren Ausweis, bitte!

Montagnacht in Paris, am Boulevard St. Germain, vor dem Café Aux Deux Magots: Musikanten, Gruppen und Solisten treten vor Kaffeehausbesuchern und einem dichten Kreis schaulustiger Passanten auf.

Halbiert ist nicht saniert

Als Heinz Dürr am Montag in Frankfurt den Vergleichsantrag für AEG stellte, als Nachrichtenagenturen die Meldung über den größten Insolvenz-Fall der deutschen Nachkriegsgeschichte in alle Welt tickerten, als der Kurs der deutschen Mark nach dieser Hiobsbotschaft absackte – da reagierten einige Mitarbeiter der Hauptverwaltung am Theodor-Stern-Kai verblüffend: Sie diskutierten darüber, daß sie nun wohl alle umziehen müßten, weil unter hierarchischen Gesichtspunkten der Vergleichsverwalter Wilhelm Schaaf wohl im obersten Stockwerk residieren müßte.

Verdammter Pessimismus

Ach, wie war es doch vordem mit den Heinzelmännchen so bequem. So seufzten die Kölner wehmütig, nachdem die neugierige Bäckersfrau die dienstbaren Geister vertrieben hatte und die Bürger plötzlich wieder alle Lasten und Mühsale des Alltags ertragen mußten.

Bonner Kulisse

Wenn ehemalige Befreiungskämpfer erst einmal zu international anerkannten Staatsmännern aufgerückt sind, werden sie ganz plötzlich auch für die Bonner CDU/CSU akzeptabel.

Gewerkschaften: Die neue Apo

Mit harscher Kritik haben die Gewerkschaft ten die Sparbeschlüsse der Bundesregierung als „sozial unausgewogen“ abgelehnt und Aktionen dagegen angekündigt.

Bundesbahn: In Notwehr

Kaum ist vergessen, wie rüde Bonns Verkehrsminister im Frühjahr Wolfgang Vaerst als Chef der Bundesbahn feuerte, um ihn durch den IBM-Manager Reiner Gohlke zu ersetzen, da leistet Volker Hauff sich, wie es scheint, die nächsie Plumpheit in der Bahnpolitik.

AEG-Geschichte: Krank durch zügelloses Wachstum

Als der Berliner Ingenieur Emil Rathenau zu Beginn der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts von dem Amerikaner Edison die Lizenz zur Herstellung von Glühlampen mit allen zu ihrem Betrieb erforderlichen Einrichtungen und Stromverteilungsanlagen erwarb, brauchte er Geld, um die Fabrikation aufnehmen zu können.

Gegendarstellung

Die Wochenzeitung DIE ZEIT, Ausgabe Nr. 24, vom 11. 6.......................................................................

USA/Europa: Zweierlei Maß

Die Entscheidung Präsident Reagans, amerikanischen Unternehmen und ihren Lizenznehmern eine Beteiligung am Bau der Gasleitung von Sibirien nach Westeuropa zu verbieten, belastet die atlantischen Beziehungen.

Videomarkt: Profite aus einer anderen Welt

Der neue Superstar ist nicht in Hollywoods Traumfabrik geboren: Er küßt keine Blondinen und ward nie auf einem Pferderücken gesehen, stammt nicht von einem fernen Planeten und kann nicht einmal schießen.

Gespräche am Bankschalter: Teures Liebeswerben um Global-Aktionäre

Die Vereinigung zum Schutze der Global-Aktionäre (Committee for the Protection of Global Shareholders) startet eine kostspielige Kampagne mit dem Ziel, möglichst viele Stimmen hinter sich zu bringen, um die jetzige Verwaltung der Global Natural Resources PLC (England) stürzen zu können.

Weniger Stahl

Durch das Abkommen zur Beschränkung der europäischen Stahlexporte in die USA, das die EG-Kommission mit der amerikanischen Regierung ausgehandelt hat, soll der Anteil der europäischen Industrie am amerikanischen Stahlmarkt von 6,3 Prozent im Jahr 1981 auf knapp 5,8 Prozent reduziert werden.

Manager und Märkte

Es gibt noch Dinge, die billiger werden. So hat die Ruhrkohle AG den Preis für Koks der Größe 4, der vorwiegend als Hausbrand eingesetzt wird, von 271 auf 235 Mark je Tonne gesenkt – um mehr als dreizehn Prozent also.

Publikumszeitschriften: Schlechte Zeiten

Die großen Illustrierten, Frauenzeitschriften und Klatschblätter verlieren ihre Leser. Seit zwei Jahren stagniert bei der Mehrzahl der deutschen Publikumszeitschriften die Auflage; vielfach geht sie sogar zurück.

Zeitraffer

Die Pleitewelle rollt: Im ersten Halbjahr 1982 mußten in der Bundesrepublik 5676 Unternehmer den Gang zum Vergleichs- oder Konkursrichter antreten; das sind über die Hälfte mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Zu wenig Kunden

Gartz: Bei unserem neuen Vorstoß handelt es sich keinesfalls um den Versuch, das geltende Ladenschlußgesetz selbst zu ändern.

Warum heute noch Soziologie studieren?

In einem resignierten Brief an die ZEIT fragte die Soziologin Bärbel Raabe nach dem Sinn ihres Studiums. Wir drucken ihren Brief und eine Antwort von Ralf Dahrendorf

700 Wörter oder 3000?: Duden-Kultur

Bayern, Berlin und Hessen sind schon unter die Tausendgrenze gegangen, in Nordrhein-Westfalen legt ein Expertengutachten diesen Schritt ebenfalls nahe.

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