Tja, was für ein Buch ist das nun? Wenn man es aufschlägt, zieht man die Ziehharmonika eines Ziehharmonikaspielers auf, dann liest man den Titel „Hallo und andere wahre Geschichten“ von Volker Kriege! (Verlag Sauerländer, Frankfurt, 1982; 150 S., Abb., 19,80 DM). Die Titelgeschichte besteht aus der Sprechblase mit dem Wort „Hallo“, aus vielen scheinbar in die Seiten gebrannten Löchern und einem neugierigen Mann, der mit der Trittleiter zusammenbricht und von einer neuen Sprechblase angeherrscht wird: „Los, aufstehn! Weiterblättern!“. Ein Netzstrumpfmädchen weist den Weg weiter: zu anderen Geschichten in Gedichten und in Witzen und in Prosa, vor allen; in Karikaturen und anderen sehr lustigen Zeichnungen: Nonsens. Nichtsnutzig? Dem Spaße nütze. Und obwohl viel Platz in diesem kleinen festen linierten Notizbuch weiß bleibt, wird man zögern, ihn mit eigenen Einfällen zu füllen: Wer ist schon so witzig wie der Jazz-Gitarrist Volker Kriegel? Auch ein Zeichner ist er, und ein Schriftsteller schon längst, was er zuletzt vorgeführt hat mit einem Roman aus seinem Metier, nein: einer Art von Schlüssel-Märchen für Erwachsene, in dem sich viele seinesgleichen Musiker wiederfinden werden, in scheinbar fremden Rollen, komisch kostümiert, Personal vom Hof des kleinen Rock ’n’ Roll-Königs, der in einem bestimmten Stück jedesmal von einer rhythmischen Verwirrung heimgesucht wird, schließlich, der Kritik leid, „den Staub von seinem Hermelinmantel“ klopft, ins gewöhnliche Leben untertaucht, tingelt, schließlich zurückkehrt – Volker Kriegel: „Der Rock ’n’ Roll-König“, illustriert vom Autor (Verlag Sauerländer, Frankfurt, 1982; 96 S., Zeichn., 17,80 DM). Das sei, sagt der Autor, eine Art von „gehobenem Jux für Musikfreunde jeden Alters mit Sinn für Ironie“. Es ist ein freundlicher Jux, aber wie „Hallo“ einer, der nicht bloß auffällt, weil er einem literarisch begabten Musiker in den Sinn gekommen ist, sondern weil es so selten glückt, Jux, nicht Klamauk zu machen. Manfred Sack