Die FDP geht auf Genscher-Kurs. Der neue Hamburger Spitzenkandidat Bialas will auch in der Hansestadt mit der CDU regieren. Die Linksliberalen verlieren oder verlassen ihre Bastionen.

Aus der Bundestagsfraktion ist bislang nur Ingrid Matthäus-Maier ausgeschieden. Die frühere Vorsitzende des Haushaltsausschusses wechselt zur SPD, die ihr nach dem Willen Willy Brandts auch einen Platz im nächsten Bundestag sichern soll. Die Suche nach einem Wahlkreis in Nordrhein-Westfalen nahm freilich peinliche Züge an. Die altgedienten SPD-Funktionäre sind wenig begeistert von der linksliberalen Parteinovizin.

In Berlin verließ der 87jährige William Bonn die FDP, in Baden-Württemberg der frühere Landesvorsitzende Karl Moersch, in Bochum und einigen anderen Städten erklärten die Ratsfraktionen geschlossen ihren Parteiaustritt. Die Jungdemokraten, lange schon am äußeren linken Rand der Partei, kappten alle Verbindungen. Bisher haben mehr als 5000 der insgesamt 86 000 Mitglieder die FDP verlassen. Die Partei kehre zurück „zu ihrem trüben, reaktionären Ursprung rechts von der CDU/CSU“, befand der Judo-Vorsitzende Lutz.

Einer seiner Vorgänger, der Marburger Politologie-Professor Theo Schiller, bemüht sich als Sprecher der „Liberalen Vereinigungen“ um die Sammlung der enttäuschten Linksliberalen. Die Perspektive ist unklar. Chancen bei Wahlen kann sich die Gruppe kaum ausrechnen.

Das Ausscheiden und die Resignation vieler Linksliberaler erlaubt dem rechten Parteiflügel, alte linksliberale Bastionen einzunehmen. In Hamburg, wo 300 der 2200 FDP-Mitglieder ihren Austritt erklärt haben, wurde der frühere Bausenator Rolf Bialas zum Spitzenkandidatenbei der Bürgerschaftswahl gewählt. Er tritt für eine Koalition mit der CDU ein und lehnt die Forderung nach einem Gleichgewicht von Ökonomie und Ökologie ab.

HJG