Hörenswert

Söder Duo: „Fluchtweg Madagaskar“. Die Vorstellung, die die Bezeichnung Duo weckt, .taugt hier nicht viel. Denn was die Brüder Ernst und Hans P. Ströer veranstalten, hat nicht selten orchestrale (oder elektrische) Fülle. Die beiden Musiker – der erste mit Schlagzeug und Geräuschinstrumenten, der zweite mit Tasteninstrumenten, Gitarre, Bässen – ereifern sich in den hier sehr nahe beieinander liegenden Rubriken Jazz und Rock. Sie lieben einen packenden, auch aggressiven, heftig betonten Rhythmus. Sie spielen vor allem ihre Permissionsinstrumente mit erheblicher Phantasie. Sie fügen, einen (leider unübersetzt bleibenden) vietnamesischen Gesang in ihre Musik ein; sie wiederholen ein Satzfragment und lassen, auch mit ihrer Musik, das Ende offen; sie verarbeiten sehr artifiziell einen kabarettistisch pointierten Text über den Neid, verfremden, verzerren ihn und verhelfen ihm dadurch zu eigenartiger Wirkung. Bei alledem lassen sie keinen Zweifel an ihrer Begabung. (Mood Records 28 629, Zweitausendeins, 6000 Frankfurt am Main)

Manfred Sack

Gefährlich

„Wir entdecken Komponisten – Mozart, Beethoven, Haydn, Brahms“. Das Dilemma ist bekannt: In der Schule kann der Musikunterricht, wenn er überhaupt stattfindet, allenfalls Grundkurs-Ansprüchen genügen. Der Wunsch, die auf aktuelle Moden konsumabler Scheinunterhaltung ausgerichteten jungen Leute mit den von phonstarker Pop-Musik verklebten Ohren für andere Klänge zu interessieren, ist der Vater oft merkwürdigster Produktionen bei Platte, Funk und Fernsehen. Allen gemeinsam (neben den gewiß guten Absichten) ist die Tendenz, Hemmschwellen dadurch zu beseitigen, daß das Niveau gesenkt wird – um Himmels willen nicht seriös wirken. Wie klein von dort der Schritt hin zur Verniedlichung, zur verkitschenden und sogar verfälschenden Anbiederung ist, zeigen die Beispiele dieser Serie, die „jungen Menschen – und nicht nur ihnen! – die Meister der Musik“ näherbringen will in Hörspielen und Kompositionsausschnitten: Die literarische Fiktion und die musikalische Wirklichkeit passen so gut wie nie zueinander; die erzählten biographischen Details bleiben meist bei Peripherem hängen; die nach wenigen Takten bereits wieder ausgeblendeten Klangbeispiele lassen kaum auch nur die Spur einer Andeutung davon zu, was mit dem Werk tatsächlich zu hören wäre. Brauchbar also allenfalls als ganz vorsichtig, genießenden Appetitanreger, der eine um so sorgfältigere Zubereitung der anschließenden Nahrung notwendig macht. (DG 2574 101/04) Heinz Josef Herbort