MünchenBürgermeister bremst Industrie

Erich Kiesl verzögert Bauvorhaben von BMW und Löwenbräu

In Regensburg läuft alles „phantastisch“, freut sich Eberhard von Kuenheim, der Vorstandsvorsitzende der Bayerischen Motoren Werke. Stadtrat und Oberbürgermeister Friedrich Viehbacher von der CSU legen ein scharfes Tempo vor, um möglichst bald den ersten Spatenstich für das neue BMW-Werk möglich zu machen.

Die Stadt muß zunächst die 140 Hektar zusammenkaufen, die dann – wie es der Vertrag vorsieht – an die Autofirma weiterveräußert werden sollen. Der Oberbürgermeister selbst redete zögernden Grundstücksbesitzern gut zu, tun sie doch noch zum Verkauf zu bewegen, und sogar während seines Urlaubs verhandelte er mit der Nachbargemeinde Obertraubling über eine unumgängliche Umgemeindung.

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In München dagegen, am Firmensitz der Autofirma, geht es nicht so schnell. Hier will BMW auf dem Gelände des einstigen Bundesbahnausbesserungswerks in Freimann nahe der nördlichen Stadtgrenze nur ein zentrales Lager für das von den Zulieferern kommende Material errichten. Und „da wir lieber Autos als Lagerhäuser bauen“, so Kuenheim, hat man nach einem sachkundigen Partner gesucht und ihn in der Speditionsfirma Schenker gefunden. Die auf solche „logistischen Service-Pakete“ spezialisierte Bundesbahn-Tochtergesellschaft, die das Lager für gut dreißig Millionen Mark bauen und dann an das Autounternehmen vermieten will, ist nicht zuletzt wegen des günstigen Standorts zum Zug gekommen: Die Entfernung zum BMW-Stammwerk in München-Milbertshofen ist nicht länger als vier Kilometer.

Doch BMW und Schenker hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht – in diesem Falle der Münchner Oberbürgermeister Erich Kiesl. Er hat ihnen zwar im vergangenen Jahr zunächst zugesagt, daß er das Projekt ohne Bebauungsplan durchziehen wolle; doch als dann eine Bürgerversammlung dagegen wetterte und eine SPD-Stadträtin sich der Sache „annahm“, machte das Stadtoberhaupt rasch einen Rückzieher. Als der Bebauungsplan vorlag, da war das für das Lager vorgesehene Grundstück gar nicht darin enthalten.

Kiesl und der städtische Bauplanungsreferent Uli Zech wollen das zwar noch nachholen. Aber die ganze Prozedur mit zeitraubenden Beratungen und Anhörungen wird das Vorhaben um mindestens ein Jahr, vermutlich länger, verzögern. Doch bei BMW fürchtet man eine weitere Verschleppung, so daß bereits „Alternativen“ überlegt werden, etwa in der industriefreundlichen Gemeinde Neufahrn weiter nördlich an der Autobahn nach Nürnberg.

Das Zentrallager ist vordringlich, weil die Anwohner der Autofabrik im Stadtteil Milbertshofen schwer darunter leiden, daß täglich 650 Lastwagen mit Fahrzeugzubehör an- und abfahren, in der Stunde bis zu vierzig. Sie blockieren die dorthin führende Ringstraße, stauen sich nachts zwischen vier und sechs Uhr vor dem Werkstor und stören mit ihrem Motorenlärm die Nachtruhe in der Umgebung.

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