Diese WocheVersprechungen vor der Wahl

Die Arbeitgeber haben es der Regierung Kohl versprochen: Über den Bedarf von 655 000 Lehrstellen hinaus will die Wirtschaft 1983 weitere 30 000 Lehrstellen anbieten. Kein Jugendlicher wird nach Ankündigung der Bundesregierung vergeblich eine Lehrstelle suchen, wenn er das Angebot des Arbeitsmarktes nur wahrnimmt.

Die Zusage ist zum Wahlkampfargument der Regierungsparteien geworden; es gehört zum Spiel, daß die SPD herablassend und skeptisch reagiert, und den Gewerkschaften fällt es nicht schwer, die Sozialdemokraten mit Argumenten zu versorgen. Der DGB insistiert auf seinem alten Konzept: Finanzierung der Berufsausbildung durch Umlagen bei allen Unternehmen, um das Geld dann in Ausbildungsstätten außerhalb der Betriebe zu stecken. Ohne derartig drastische Maßnahmen befürchtet DGB-Vorstandsmitglied Ilse Brusig demnächst 270 000 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz – eingerechnet in diese Zahl sind allerdings viele, die an hilfsweisen Programmen und Maßnahmen teilnehmen, die der DGB in anderem Zusammenhang lobt.

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Zurückhaltend äußern sich Repräsentanten der Wirtschaft aus mittleren Rängen über das Versprechen ihrer Spitzenfunktionäre. Mancherorts haben Hauptschüler aus Abschlußklassen versucht, neue Ausbildungsangebote ausfindig zu machen. Sie berichten von Mißerfolgen.

Und warum ist von Oktober 1982 bis Januar 1983 die den Arbeitsämtern gemeldete Zahl der Lehrstellen gegenüber dem Vorjahr um 42 000 zurückgegangen? Durch Indiskretionen ist die Zahl bekannt geworden, zwei Monate vor Josef Stingls für April geplanter Bilanz. Panikmache der SPD im Wahlkampf? „Keinerlei Aussagewert“ schreibt Bildungministerin Dorothee Wilms der schlimmen Zahl zu: Im Januar könnten viele Betriebe einfach noch nicht wissen, wie viele Lehrlinge sie im Sommer brauchen werden. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände warnt vor dem Umgang mit „Phantomzahlen“. Warum aber sollten in diesem Winter die Unternehmen ihre Lehrstellen später melden als im Vorjahr? Deutet die Information aus Nürnberg nicht doch auf eine Verringerung der Ausbildungsplätze? Oder warten die potentiellen Lehrherren etwa auf den Wahlausgang am kommenden Sonntag?

Peter Pedell

 
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