Eugen Seibold, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, fand große Worte: Eine Zeitschrift trete ins Leben, „die die wichtigste Grundlage unseres Daseins, nämlich die Erde, zum Inhalt haben wird“. Der Weinheimer Verlag Chemie hat seine Reihe Physik, Biologie und Chemie in unserer Zeit um ein weiteres Gebiet ergänzt: Geowissenschaften in unserer Zeit. Seibold, selbst Geologe, schrieb das Geleitwort zur ersten Nummer.

Doch über die aktuellen Probleme der Geowissenschaften fällt in der Erstausgabe des neuen. Blattes kein Wort: nichts über Erdbebenvorhersage, nichts über Lagerstättenkunde, nichts über Mineralogie und Geochemie. Statt dessen mühen sich zwei Statistiker ab, den Nutzen der Volkszählung zu beschreiben. In einem anderen Artikel werden wieder einmal die Vor- und Nachteile des Rhein-Main-Donau-Kanals diskutiert – ohne neue Informationen. Lediglich der Aufsatz des Heidelberger Sedimentologen German Müller über den Schadstoffgehalt in den Ablagerungen von Gewässern paßt in das von Seibold gezeichnete Bild.

Die neue Zeitschrift ist das Organ der Alfred-Wegener-Stiftung, der 16 geowissenschaftliche Gesellschaften angehören. Doch selbst auf das erste große Projekt der Stiftung, eine geplante, bis zu zehn Kilometer tiefe Forschungsbohrung (Kosten: gut 200 Millionen Mark) fehlt jeder Hinweis.

Man kann nur hoffen, daß künftige Ausgaben das Niveau der anderen Blätter dieser Reihe erreichen. Das erste Heft von Geowissenschaften in unserer Zeit wird seinem Titel nicht gerecht. Die schönen Abbildungen dreier Briefmarken, die vor drei Jahren zu Wegeners 100. Geburtstag herausgegeben worden waren, können allein jedenfalls nicht das im Geleitwort genannte Ziel erfüllen: „Methoden und Ergebnisse geowissenschaftlicher Forschung verständlich machen“.

Horst Rademacher