Vor dem Weltwirtschaftsgipfel in Williamsburg: Die Voraussetzungen sind besser denn je

Von Rudolf Herlt

Bundeskanzler Helmut Kohl könnte auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Williamsburg Ende Mai folgende Rechnung aufmachen: Am 3. Januar 1980 kostete ein Dollar 1,7062 Mark; rund zwanzig Monate später, am 10. August 1981, kostete er 2,5720 Mark. Die Kurssteigerung machte in dieser Zeit fast 51 Prozent aus. Ein deutscher Importeur, der eine Rechnung über fünf Millionen Dollar zu bezahlen hatte, mußte am 3. Januar 1980 nur 8,53 Millionen Mark aufwenden, am 10. August 1981 dagegen 12,86 Millionen Mark.

Umgekehrt mußte der amerikanische Kunde eines deutschen Exporteurs, der Waren für zehn Millionen Mark geliefert hat, am 3. Januar 1980 noch 5,86 Millionen Dollar aufwenden, um die Rechnung zu bezahlen. Hätte er mit seinem Einkauf bis zum 10. August 1981 warten können, hätten 3,89 Millionen Dollar genügt. Er hätte fast zwei Millionen Dollar gespart.

Das sind Differenzen. Es gehört wenig Phantasie dazu, könnte Kohl fortfahren, sich auszumalen, wie sehr die Wettbewerbsverhältnisse ganzer Industriezweige allein durch Veränderungen in den Wechselkursen verschoben werden. Das gewählte Beispiel stammt zwar aus der Praxis, ist mit einer Schwankung von 51 Prozent aber ein extremes Beispiel. Kursschwankungen von zwanzig Prozent waren jedoch in den letzten beiden Jahren keine Seltenheit, nicht nur beim Dollar, auch beim Pfund und beim Yen. Kohl könnte seinen Vortrag so beenden: Stark überbewertete oder stark unterbewertete Währungen haben im internationalen Handelsverkehr die gleichen schädlichen Wirkungen wie Zölle oder zollfremde Handelshindernisse. Sie wecken den Wunsch nach Vergeltung und drosseln die Handelsströme, die über die Landesgrenzen hinausgehen. Falsche Wechelkurse sind Feinde des freien Welthandels.

Schwankungen in Grenzen halten

Deshalb ist die Sehnsucht nach mehr Wechselkursstabilität so alt wie die freien Wechselkurse. Rund zehn Jahre ist es her, seit die festen, amtlich verordneten Preise für den An- und Verkauf von ausländischen Zahlungsmitteln nicht mehr aufrechterhalten werden konnten. Sie gingen im Frühjahr 1973 mit dem Weltwährungssystem von Bretton Woods unter. Eine Wiedergeburt erlebten sie im Europäischen Währungssystem, das seine Entstehung der Sehnsucht nach mehr Wechselkursstabilität mit verdankt. Seine sieben Währungen (Mark, Gulden, Belgischer Franc, Französischer Franc, Lira, Dänenkrone und Irisches Pfund) werden untereinander zu festen, amtlich verordneten Leitkursen gehandelt.