Der Rheinpegel – fast zehn Meter über normal – ist zurückgegangen und das Bundeshaus wieder trockengelegt. Der rötliche Staub, der sich einen Tag lang auch auf die Staatskarossen gelegt hat, ist als Wüstensand aus der Sahara enttarnt worden und bereits wieder abgewaschen. Helmut Kohl reist. Die FDP beschimpft die SPD, als würde die noch immer regieren. Die SPD mahnt den Aufschwung an, von dem die Regierenden beteuern, daß er vielleicht doch kommt, vielleicht aber auch nicht. Und die Grünen haben auf den Frühlingsausbruch nach der Parlamentspause nicht einmal mit einem Sitzstreik vor dem Bundeshaus regiert, weil sie jetzt doch noch 20 Zimmer zusätzlich im Tulpenfeld erhalten. Bonn hat eine neue Regierung. Aber die Aufregungen halten sich in Grenzen.

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Zum Glück fällt Franz Josef Strauß immer etwas ein. Er hat nämlich erklärt, Helmut Kohl habe „mit einer Massivität, die selten ist“, bei den Koalitionsgesprächen mit der CSU verhindert, daß Richard Stücklen noch einmal als Bundestagsvizepräsident wiedergewählt wurde. Die CSU wiederum hätte Stücklen nur „mit massivem Streit“ durchsetzen können – aber sie zahlt eben nicht mit gleicher Münze heim. Warum die CDU gegenüber Stücklen so hart gewesen sei? Dazu solle gefälligst das Konrad-Adenauer-Haus Stellung nehmen.

Also nimmt das Konrad-Adenauer-Haus Stellung: In den Fraktionsvereinbarungen des Jahres 1980 habe gestanden, über den Parlamentspräsidenten entscheide der CSU-Teil der Fraktion. So geschah es. Diesmal stand darin, der CDU-Teil entscheidet. So kam Rainer Barzel ins Amt. Unerwähnt bleibt allerdings, daß das gar nicht die Absicht war. Die CDU wollte nicht Stücklen degradieren und Barzel befördern, sondern Alfred Dregger in dieses Amt hochloben. Aber der hat ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Im übrigen, antwortet die CDU-Zentrale, habe es sich nicht um ein Diktat, sondern um ein gemeinsames Abkommen gehandelt. Aber Strauß habe wohl in seiner Partei ein „bißchen Feuer bekommen“, weil er Stücklen fallen ließ.

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Ob die CSU als Kompensation für Stücklen, den Strauß so hoch und Kohl so gering schätzt (Münchner Version), im Jahr 1984 einmal das Amt des Bundespräsidenten besetzen darf, wird augenblicklich auf eine feine Weise in Frage gestellt. Der Kanzler sei katholisch, rechnen Christdemokraten vor, der Fraktionsvorsitzende ist es auch und der Bundestagspräsident ist katholischer als beide zusammen. Wenn die CSU jetzt einen Katholiken aus ihren Reihen als Präsidentschaftskandidaten vorschlagen möchte, werde das dann nicht ein bißchen viel?