Experten sagen für dieses Jahr in der Steuerspar-Branche einen neuen Ausleseprozeß voraus. Viele Anleger drohen dabei Geld zu verlieren. Wie können sie sich schützen?

Das Jahr 1983 versprach für die gesamte Abschreibungsbranche besonders gut zu werden. Dafür hatte die von der neuen Regierungskoalition konzipierte Investionshilfeabgabe gesorgt. Von dieser zusätzlichen Steuer können sich die besser Verdienenden nur dann befreien, wenn sie entweder selbst Investitionen in der geforderten Höhe vornehmen oder aber ihr steuerpflichtiges Einkommen über Abschreibungsobjekte, zu denen in erweitertem Sinne auch Bauherren-Modelle zu rechnen sind, verringern.

Obwohl die Initiatoren der Abschreibungsobjekte nachdrücklich auf die Möglichkeit der Vermeidung oder Reduzierung der fünfprozentigen Investitionshilfeabgabe aufmerksam machen, fließen die Gelder der Anleger spärlicher als sonst. Daran sind spektakuläre Pleiten ebenso schuld wie Enttäuschungen über nicht eingehaltene Renditeversprechungen. Zusätzlich werden die Anleger verunsichert durch strenge Steuerprüfungen und durch Einschränkungen des Gesetzgebers. Aber auch die Gerichte, die endlich höhere Anforderungen an den Anlegerschutz stellen, tragen zu dem im Gange befindlichen Umbruch bei.

Empfindlich getroffen ist das sogenannte Bauherren-Modell, bisher Hauptträger des privaten Mietwohnungsbaus. Ob das Bauherren-Modell volkswirtschaftlich erwünscht ist, nicht zuletzt, weil es Hunderttausende von Arbeitsplätzen sichert, ist seit langem umstritten. Sicherlich führen die Steuereinsparungen bei den Bauherren zu steuerpflichtigen Einkünften bei den Baubetreuern, den Banken, den Finanzierungsgesellschaften und anderen am Bauherren-Modell verdienenden Gruppen. Es kann doch nichts darüber hinwegtäuschen, daß durch das Vorziehen von Aufwendungen beträchtliche Zinseffekte entstehen, die wirtschaftlich den Anlegern endgültige Vorteile bringen, dem Fiskus aber endgültige Verluste.

Hinzu kommt, daß das Bauherren-Modell vom Gesetzgeber steuerlich nicht gewollt, sondern aus der geschickten Kombination von bestehenden steuerlichen Erleichterungen konstruiert worden ist. Deshalb erfreut sich das Bauherren-Modell jetzt einer gesteigerten Aufmerksamkeit der Finanzbehörden.

Einen schweren Schlag erlitt das Bauherren-Modell durch den Fortfall der Mehrwertsteuer-Option. Eine Mehrwertsteuer-Rückerstattung ist nur noch möglich, wenn die Wohnungen bzw. Häuser bis zum 31. Dezember 1984 fertiggestellt sind. Bei längst nicht allen angebotenen Objekten kann die Einhaltung dieser Frist garantiert werden.

Findige Anlageberatungsfirmen haben bereits über Ersatzlösungen nachgedacht und Steuerfachleute prüfen, inwieweit diese vor den strengen Finanzbehörden Bestand haben werden. Für alle Anleger, die sich auf steuerlichem Neuland bewegen, bedeuten sie zweifellos ein zusätzliches Risiko. Daß man bei Anlagen auf dem „grauen Kapitalmarkt“ nicht nur Steuern sparen kann, sondern sich auch Verluste einhandelt, haben die spektakulären Pleiten und Enttäuschungen in jüngster Vergangenheit gezeigt.