Gerüchte sterben langsam, und manchmal erwischt es sie erst, wenn sie fast schon vergessen sind. So mag man denn in diesen Tagen endgültig ein Ondit zu den Akten legen, welches im vergangenen Jahr in „informierten Kreisen“ beträchtliche Konjunktur gehabt hat: Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff werde alsbald an die Spitze der Frankfurter „Metallgesellschaft“ überwechseln, um dort den amtierenden Vorstandsvorsitzenden Karl Gustav. Ratjen abzulösen. Diese Nachricht war damals mehr als nur ein Hirngespinst; Lambsdorff hatte tatsächlich eine Offerte erhalten. Doch er hat damals, wie es die Börsenzeitung beschrieb, „zu lange gezögert“. Nach dem Koalitionswechsel im vergangenen September sei der FDP der Verlust Lambsdorffs nicht mehr zuzumuten gewesen; umgekehrt aber sei es dann auch für die Metallgesellschaft zu spät geworden.

Nun also wird sich die Ratjen-Nachfolge anders regeln. Der Aufsichtsrat des renommierten Unternehmens, der darüber in Kürze entscheiden wird, neigt angeblich zu einer „internen Lösung“ mit fähigen Leuten aus dem eigenen Haus.

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CDU schenkt BSC 297 000 Mark.“ Diese Meldung fand sich dieser Tage im Sportteil des Bonner General-Anzeigers. Der unkundige Leser, dem es beim flüchtigen Überblättern durch den Kopf gegangen sein mag, was für eine spendable Partei doch die CDU sei, läge schief. Denn in Wahrheit verschenkt die CDU in diesem Fall nichts außer dem Geld anderer Leute; und in Wahrheit pflegt sie nur den gleichen hemdsärmeligen Umgang mit der Macht wie jede andere Partei mit einer zu satten Mehrheit.

Bei dem BSC, von dem da die Rede ist, handelt es sich um den Bonner Sportclub, der vor wenigen Jahrei wegen zu hoher Schulden aus der Zweiten Fußball-Bundesliga gefeuert worden ist. Er kickt nun in der Amateur-Verbaidsliga, doch seine Schulden von damals drücken noch immer. Die CDU, unangefochtene Mehrheitspartei und im Stadtrat angeführt von einem Theo Blank – Sohn des gleichnamigen früheren Bundesarbeitsministers –, hat also beschlossen, knappe 300 000 Mark preiszugeben, für die die Steuerzahler aufkommen müssen. Da aber alles seinen Preis hat, kürzt man die ohnedies knappen Mittel für die Telephonseelsorge; auch das „Frauenhaus“, Zuflucht gequälter Frauen und Kinder, muß um seine Finanzen bangen. Das ist nicht nur ein lokales Problem: Anders als andere Kommunen lebt die Stadt Bonn nicht nur aus eigener Kraft, sondern auch auf Kosten des Bundes.

Dabei gibt es schon aus den vergangenen Jahren eine lange und höchst unrühmliche Liste von Fällen, in denen Steuerzahler für heruntergewirtschaftete Fußballvereine einstehen mußten – von Berlin bis Frankfurt, von Wuppertal bis Baunatal, von Darmstadt bis Schwenningen. Dieter Lau, Präsidialmitglied des Bundes der Steuerzahler, hat darüber längst eine dicke Akte angelegt. Es waren vor allem CDU-Politiker, die sich gegen solche Praktiken gewandt haben – in ihren Sonntagsreden.

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