Eine sentimentale Reise durch die Deutsche Demokratische Republik

Von Dietrich Strothmann

In einer dreiteiligen Serie berichtete Dietrich Strothmann über die Friedensbewegung in der DDR, über das Verhältnis zwischen Staat und Kirche. Doch nicht dies allein bewegte ihn auf seiner zweiwöchigen Reise.

Ein einziges Mal auf dieser langen Kreuz- und Querfahrt in der DDR war ich erschrocken, Wir hatten gerade vor dem Hotel „Elephant“ am Frauenplan, zwischen dem Haus Johann Sebastian Bachs und dem Haus Johann Wolfgang Goethes, geparkt. Wir: Das waren mein offizieller Begleiter, abgestellt vom „Internationalen Pressezentrum“ in Ost-Berlin, der Fahrer des sowjetischen „Lada“ und ich.

Neben uns hielt ein „Wartburg“, Skier und Schlitten auf dem Wagendach festgeschnallt. Die Familie war auf dem Rückweg vom Winterurlaub in Oberhof. „Zuletzt hatten wir nur Regen.“ Die Frau merkte, woher ich kam – jedenfalls nicht aus ihrem Staat. Als sie hörte „aus Hamburg“, sagte sie: „Da wohnt ein Bruder von mir, in Harburg.“ Dann, schon im Weggehen, blickte sie in den geöffneten Kofferraum des „Lada“ und meinte, lächelnd: „Könnte ich da doch reinkriechen.“ Mein Begleiter stand dabei. Einen kurzen Augenblick hatte ich Angst um die Frau. Wenn der, dachte ich, was sagte, was fragte, was aufschrieb, was meldete ...

Fast zwei Wochen waren wir zusammen. Wir gewöhnten uns aneinander. Wir frühstückten gemeinsam, wir gingen zu meinen angemeldeten Gesprächen bei den Offiziellen von Staat und Kirche gemeinsam, wir aßen gemeinsam, ob mittags oder abends, wir tranken gemeinsam kurz vor Mitternacht in der Hotelbar unser Bier (meistens Radeberger) oder unseren Klaren (Nordhäuser).

Manchmal diskutierten wir auch miteinander, selten, ganz selten, stritten wir uns. Als ich einmal einen Kirchenmann außer der Reihe sprechen wollte, ohne „Genehmigung“ des Pressezentrums, sagte er in seiner freundlichen, jetzt aber auch kühlen Art: „Das wäre ein Affront.“ Ich versuchte es trotzdem, wenn auch ohne Erfolg: Der Bischof hatte keine Zeit.