Köln

Ob sie sich gefreut haben, die Fische aus dem Rhein? Kölns karnevalistische Popsänger, die „Black Fööss“, hatten es vor Jahren schon beschrieben; „Einmal im Jahr tritt der Rhein aus dem Bett (dä Rhing us em Bett); nämlich dann, wenn er Hochwasser hat (das reimt sich nur im Dialekt); und dann freu’n sich auch die Fische, das ist doch klar; denn dann stinkt es nicht mehr so wie sonst das ganze Jahr.“

Die beiden Hechte, die ein Hotelier in der Kölner Altstadt vor der Haustür fing, möchten sich ja freuen, daß sie mit dem Leben davonkamen, sie wurden wieder in den Fluß geschüttet. Auch bei neun Meter achtzig Hochwasser ist der Rhein eine Chemiebrühe, deren Bewohner niemand in der Bratpfanne haben will. Daß der überschwappende Fluß weniger stank als sonst, ist nicht weiter aufgefallen. Die Leute in der Kölner Altstadt hatten andere Sorgen: In den drei Tagen, als die zu niedrige Schutzmauer an der Kölner Rheinuferpromenade überflutet war, verloren viele ein Kleines Vermögen – der Hechteangler etwa kann die Wärmepumpe seines Hotels zum Schrottplatz bringen; rund um die alte Kirche Groß St. Martin, zwischen Geschäftsstraßen, Dom und Rheinufer, ist im letzten Jahrzehnt für viel Geld ein Kneipen-, Ausgeh- und Hotelviertel entstanden, das manchem Kunsthistoriker, Restaurator und Stadtplaner ein Graus war, die Amüsierwilligen aber anzog.

Können sich Ästheten also klammheimlich freuen, da rohe Naturgewalt Zeugnisse kulturellen Verfalls heimsuchte? So ist es auch wieder nicht. Das Hochwasser in der Kölner Altstadt ist selbst Ergebnis menschlichen Handelns. Will man den Experten glauben, die sich stets melden, wenn die Katastrophe vorbei ist (13 Jahre gab der Rhein den Körnern Ruhe), dann sind es Flußbettregulierungen und Dammbauten, die das Wasser zwingen, mit in früheren Zeiten unbekannter Vehemenz über die schwächsten Stellen des Sicherungswerks von Menschenhand zu schwappen.

Und warum ist gerade die Altstadt von Köln so schlecht gesichert, warum ist hier das Mäuerchen so niedrig, daß kleine Kinder darauf balancieren können? Eben darum, lautet die versöhnliche Antwort kölnischer Bürokraten: Man habe die Rheinpromenade nicht durch einen Mauerbau verschandeln wollen. Und heimatstolze Kölner Ratsherrn wollten damals ortsfremden Autofahrern, welche die Bundesstraße am Rhein befuhren, den Blick auf den Fluß vorenthalten.

Für den Fernverkehr gibt es inzwischen Autobahnen in jede Himmelsrichtung, und der verbliebene Straßenverkehr am Rhein fließt durch einen Tunnel, der die Flut der vorigen Woche wasserdicht verschlossen überstand. H. J G.