Der Tod des Künstlers, Oostende im Winter: „Minetti bleibt bewegungslos, bis er vollkommen zugeschneit ist.“ Das ist das Ende von Thomas Bernhards Schauspiel „Minetti“. Sein Untertitel: „Ein Portrait des Künstlers als alter Mann“.

Der Tod des Künstlers, des Hungerkünstlers: „Er mochte so gut hungern, als er nur konnte und er tat es, aber nichts konnte ihn mehr retten, man ging an ihm vorüber. Versuche, jemandem die Hungerkunst zu erklären!“

Eines Tages ist der Hungerkünstler, unbemerkt, gestorben. „Nun macht aber Ordnung, sagte der Aufseher, und man begrub den Hungerkünstler samt dem Stroh. In den Käfig abergab man einen jungen Panther. Es war eine selbst dem stumpfsten Sinn fühlbare Erholung, in dem so lange öden Käfig dieses wilde Tier sich herumwerfen zu sehn.“ „Der Hungerkünstler“ – eine Erzählung von Franz Kafka.

Es sind natürlich die Künstler, die so das Altern und Sterben der Künstler beschreiben. In der Literatur, auf dem Theater ist des Künstlers Ende elend, aber doch auch glanzvoll-düster, ja heroisch: „Minettis“ Tod am Meer, des Hungerkünstlers Tod im Käfig, das sind auch Protestakte gegen den bürgerlichen Tod im Bett, gegen alle Satten, Stumpfen, Empfindungslosen. Der Künstler, sagen die Künstler, leidet – und er liebt sein Leiden. Das war immer so.

Doch nun kommt der Fortschritt – und seine Sätze klingen anders als die von Bernhard oder Kafka. „Künstler und Autoren haben ein Bedürfnis nach dem Arbeitnehmerstatus.“ Das hat Günter Grass gesagt, ein Schriftsteller. Und ein anderer Schriftsteller, Dieter Lattmann, hat sogar jahrelang unbeirrbar im Parlament dafür geschuftet, damit jenes Gesetz zustande kam, das seinesgleichen gegen die Folgen von Alter und Krankheit schützen soll. Das „Gesetz über die Sozialversicherung der selbständigen Künstler und Publizisten (Künstlersozialversicherungsgesetz – KSVG)“: 1981 verabschiedet, seit dem 1. Januar dieses Jahres in Kraft. Viel Dank hat Lattmann für seine Mühen bisher nicht erfahren.

Das Gesetz war immer umstritten. Die Union hat es seinerzeit mit ihrer Mehrheit im Bundesrat abgelehnt. Die Verleger, die Galeristen haben lauthals dagegen protestiert, sich mit einer „Künstlersozialabgabe“ an der neuen Versicherung beteiligen zu müssen. Das könnte man noch als das übliche Lobbyisten-Geschrei abtun.

Aber auch von den positiv Betroffenen, den „freien“ Künstlern und Publizisten, hat Lattmann bisher, wenigstens öffentlich, nicht viel Gutes gehört. Die Erinnyen hat ihm kürzlich der Autor Patrick Süskind in der Süddeutschen Zeitung‘ an den Hals gewünscht, „die Euthanasie der letzten Freiheiten“ beklagt der Autor Rolf Vollmann jetzt in der ZEIT.